Ob dieses Geschlechterklischee von der wählerischen Frau und dem eher draufgängerischen Mann auch dann noch greift, wenn ein Frauenmangel herrscht, haben Ryan Schacht von der University of Utah und seine Kollegen nun in einem ländlichen Gebiet Guyanas untersucht. Sie befragten dort Männer und Frauen vom Volk der Makushi nach ihrer Beziehung und ihrer Einstellung zum Thema Partnerschaft. In dieser Region an der Grenze zu Brasilien herrscht auf den Dörfern oft Männerüberschuss, viele Frauen sind in die Städte gezogen. Für ihre Studie befragten die Forscher 300 Männer und Frauen aus acht Dörfern mit und ohne Männerüberschuss.
Verhaltenswechsel bei Männerüberschuss
Das Ergebnis überraschte: “Allgemein zeigen die Makushi-Männer durchaus eine größere Neigung zu unverbindlichem Sex – wie es die Stereotype besagt”, so Schacht. Aber in den Dörfern mit Männerüberschuss war dies anders: Dort wünschten sich auch die Makushi-Männer monogame, langfristige Beziehungen, von Polygamie keine Spur. “Wenn Frauen schwer zu finden sind, dann werden sie zu einer wertvollen Ressource”, erklärt Schacht diesen Verhaltenswechsel. “Die Männer versuchen dann eher, eine Partnerin zu finden und zu behalten, denn wenn sie sie verlieren, könnten sie keine neue mehr abbekommen.” Entgegen landläufiger Annahme gab es auch weniger Aggression und Kämpfe der Männer um die Frauen, wie die Forscher beobachteten. Bei den Frauen machte es dagegen keinen Unterschied, ob sie nun viele oder weniger Partner zur Auswahl hatten: Sie bevorzugten immer die monogame, langfristige Partnerschaft – zumindest in diesem Punkt entsprachen sie dem Klischee.
Nach Ansicht der Forscher demonstriert dies, dass das Beziehungsverhalten des Menschen weitaus komplexer ist als es das einfache Klischee wahrhaben will. “Es wird Zeit, dass wir uns von solchen stereotypen Annahmen über das Verhalten von Männern und Frauen verabschieden”, sagt Schacht. “Sex ist nur ein Faktor, der hier eine Rolle spielt: Die Verfügbarkeit von Partnern spielt eine Rolle, der sozioökonomische Status und auch die Qualität der Kandidaten.” Im Prinzip sei das Beziehungsverhalten ähnlich wie die Wirtschaft von Angebot und Nachfrage bestimmt. Und wenn Frauen knapp sind, dann fährt derjenige besser, der sich ihre Wünsche zu Eigen macht.





