Text: Karin Schlott, Grafik: Karl Marx und Theban Mapping Project
KV 8: Merenptah (1213 – 1203 v.Chr.)
In seiner kurzen Regierungszeit ließ sich der Sohn von Ramses II. eine beachtliche Anlage errichten. Entlang einer geraden Achse sind auf knapp 165 Metern Korridore und Kammern aneinandergereiht. Das einst reich dekorierte Grab beherbergte einen monumentalen Sarkophag, in dem drei weitere Steinsarkophage ruhten – der äußerste war circa fünf Meter lang. Um den Koloss ins Grab zu schaffen, mussten die Arbeiter mehrere Durchgänge erweitern und wieder verschließen.
KV 17: Sethos I. (1294 – 1279 v.Chr.)
Etwas mehr als 137 Meter misst das Grab von Sethos I., das als Erstes seiner Art vollständig mit Reliefs dekoriert wurde. Diverse Unterweltsführer, Götterbilder, Bestattungsrituale und astronomische Darstellungen zieren die Wände. Erstmals ist der Sarkophag von einer gewölbten „Himmelsdecke” mit Sternbildern überdacht. Dahinter führt ein Tunnel in die Tiefe, der symbolisch ins Urgewässer „Nun”, zum Ursprung der Schöpfung hinabführt. Die Grabachse verläuft nahezu gerade – vermutlich gehörte der Korridor bis zum leichten Knick dem Sonnengott Re-Harachte und danach dem Totengott Osiris.
KV 35: Amenhotep II. (1427 – 1400 v.Chr.)
Das 92 Meter lange Grab setzte Maßstäbe für kommende Generationen: Die Räume sind rechteckig, der Korridor knickt im rechten Winkel hinter dem Schacht ab und der Sarkophag steht in einer vertieften Krypta. In der Grabkammer ist Amenhotep II. zusammen mit den wichtigsten Unterweltgöttern – Osiris, Anubis und Hathor – abgebildet. Bei der Entdeckung der Gruft 1898 lag Amenhotep noch in seinem Sarkophag, und in den Nebenkammern waren nicht weniger als 14 königliche Mumien aufgebahrt. Amun-Priester hatten die Toten um 1050 v.Chr. dorthin umgebettet.
KV 34: Thutmosis III. (1479 – 1425 v.Chr.)
Der Weg zur Grabkammer führt über zwei Treppenfluchten, einen tiefen Schacht und eine Vorkammer, an der die insgesamt 76 Meter lange Anlage abknickt. Der Schacht könnte als Auffangbecken für Regenwasser gedient haben, aber im Gegensatz zu den Korridoren ist er dekoriert. Inschriften erklären: Hier ging es ins Jenseits hinüber. Als Erste im Tal wurde die Grabkammer geschmückt mit den Szenen des Jenseitsbuchs „Amduat” (siehe Abbildung unten S. 72/73) und der sogenannten „Sonnenlitanei”. Beide beschreiben, wie die Sonne abends in die Unterwelt hinabsteigt, die gefahrvolle Durchfahrt meistert und morgens im Osten wieder aufersteht.
KV 38: Thutmosis I. (1504 – 1492 v.Chr.)
Das erste Grab dürfte um 1500 v.Chr. für König Thutmosis I. entstanden sein. Die rund 33 Meter lange Anlage gleicht einer riesigen Kaulquappe: Ein gekrümmter Gang mit steiler Treppe und Rampen führt in eine ovale Sarkophagkammer. Viele Forscher vermuten eine Ähnlichkeit mit der Kartusche, die in Texten den Königsnamen umschließt. Eine Anlehnung an die Form der Unterwelt ist ebenso plausibel. Denn in den Papyri der sogenannten Unterweltbücher ist das Jenseits als ovaler Raum abgebildet. Darauf könnte sich auch der gewundene Korridor beziehen.





