Der Mota-Mann gibt sein Erbgut preis
Die Forscher um Andrea Manica von der University of Cambridge berichten nun allerdings von einer spektakulären Ausnahme: Es gelang ihnen, den Überresten eines Mannes das Erbgut zu entlocken, der vor 4.500 Jahren in der sogenannten Mota-Höhle im Hochland Äthiopiens bestattet worden war. Dieser Begräbnisort war offenbar kühl und trocken genug, um die DNA vor dem Zerfall zu schützen. Das Genom dieses sogenannten Mota-Mannes weist ihn eindeutig als einen Vorfahren der Menschen aus, die noch heute in dem Gebiet leben. Ihm fehlten allerdings noch deren genetische Merkmale, die den Forschern zufolge Einwanderer vermutlich vor etwa 3.000 Jahren in dieses Gebiet brachten. Die genetischen Vergleiche zeigten, dass die Menschen Ostafrikas zu etwa 25 Prozent von diesen Einwanderern abstammen und dass sie schließlich auch einen Teil der Vorfahren der restlichen Bevölkerungsgruppen Afrikas bildeten: Sie tragen mindestens fünf Prozent des Erbguts der Einwanderer.
Heutige Afrikaner sind teilweise Eurasier
Weitere Erbgutvergleiche zeigten, dass diese Einwanderer aus dem Bereich Anatoliens beziehungsweise des Nahen Ostens ins Horn von Afrika eingewandert waren. Sie entstammten der gleichen Bevölkerungsgruppe, die etwa 4.000 Jahre zuvor auch nach Europa eingewandert war und dort die Landwirtschaft verbreitet hat, sagen die Forscher. Warum sie sich etwa 3.000 Jahre später auf den Weg zum Horn Afrikas machten und wer sie genau waren, bleibt bisher ein Mysterium. Ihre Ankunft muss allerdings ein großes Ereignis gewesen sein. „Grob gesagt, entsprach die Zahl der Einwanderer wahrscheinlich etwa 30 Prozent der ansässigen Bevölkerung”, sagt Manica. Es gibt auch archäologische Hinweise darauf, dass dies mit einem kulturellen Wandel am Horn Afrikas einherging: Der Anbau von Weizen und Gerste hielt zu dieser Zeit dort Einzug, belegen archäologische Funde.
Die Forscher hoffen, dass in Zukunft noch weitere Erkenntnisse durch die Sequenzierung alter Genome Licht ins Dunkel der menschlichen Geschichte bringen werden. „Die Sequenzierung alter Genome ist noch so neu, aber verändert bereits die Sicht auf die menschlichen Ursprünge. Diese neuen Techniken werden sich nun weiterentwickeln, so dass wir ein immer besseres Verständnis darüber gewinnen können, wer unsere Ahnen waren”, sagt Manica.





