Zwischen diesen Hochkulturen muss es einen regen Austausch gegeben haben, worauf Funde von Keramik, Schmuck und anderen hochwertigen Gegenständen hindeuten. So fand sich der Schmuckstein Lapislazuli aus dem 4. Jahrtausend vor Christus in Mesopotamien und Ägypten, Kupfer aus dem Oman gelangte schon im 3. Jahrtausend ins Zweistromland, und schon im 5. Jahrtausend wurde der für Klingen verwendete Obsidian aus Anatolien im Nahen Osten gehandelt. Lawler spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer frühen Globalisierung.
Dem Zweistromland kam in dieser Entwicklung eine wichtige Rolle zu, da sind sich die Archäologen einig. Strittig hingegen ist inzwischen, ob Mesopotamien tatsächlich der alleinige Motor dieser Entwicklung war, wie bisher meist angenommen wurde. Möglicherweise hatten die gleichzeitig entstandenen frühen Kulturen einen ebenso bedeutenden Einfluss auf diese Welt, sagen immer mehr Archäologen und verweisen darauf, dass die Region lange Zeit fast ein Niemandsland der archäologischen Forschung war und daher oft nur sehr wenig über ihre Geschichte bekannt ist. “Wir müssen unseren Blickwinkel ändern”, zitiert Lawler etwa die Archäologin Sylvia Winkelmann von der Universität Halle. Unter einem kulturgeschichtlichen Blickwinkel sei Mesopotamien nicht die einzige Wiege der Menschheit: “Es gibt mehrere”, erklärt die Forscherin.





