Das Neue Testament umfasst 27 Schriften in griechischer Sprache: 4 Evangelien, 21 Briefe, die Apostelgeschichte und die Johannesapokalypse. Zusammen mit der jüdischen Bibel – dem Alten Testament – bilden sie die christliche Bibel.
Die erste Generation der christlichen Gemeinschaft kam mit den Erzählungen der „Jesus-Tatzeugen” aus. Mit deren Tod entstand eine Überlieferungslücke und das Bedürfnis, die Botschaft schriftlich festzuhalten. Die Paulus-Briefe wurden schon zu dessen Lebzeiten abgeschrieben und weitergereicht. Markus verfasste sein Evangelium um 75, Matthäus schrieb seine Botschaft vom Wirken Jesu zwischen 80 und 90 nieder. Lukas stellte das nach ihm benannte Evangelium und sein zweites Werk, die Apostelgeschichte, zwischen 80 und 100 zusammen. Jedes Evangelium war zunächst ein eigenständiger Bericht über Leben und Wirken Jesu, und speiste sich aus verschiedenen Strängen der mündlichen Überlieferung. Deshalb finden sich in den Evangelien widersprüchliche Darstellungen mit unterschiedlichen Akzentuierungen und Inhalten. Jesus selbst hat keine einzige Zeile hinterlassen.
Es gab rund 70 andere Schriften, die jedoch nicht ins Neue Testament aufgenommen wurden. Hinzu kommen die sogenannten apokryphen Schriften, die die Lücken in den großen Evangelien mit legendenhaften Erzählungen füllen, etwa zur Kindheit und Jugend Jesu.
Eine Herausforderung an die Theologen stellen die „ pseudepigraphischen Briefe” dar – Sendschreiben, die unter renommiertem, aber falschem Namen lanciert wurden: 10 der insgesamt 21 Briefe im Neuen Testament gelten als Fälschungen. Derlei Kuckuckseier waren nicht nur in der jüdischen Tradition üblich, sondern ganz allgemein in der Antike, wenn einem Bericht besonderes Gewicht und erhöhte Glaubwürdigkeit verliehen werden sollte. Wie aber Christen mit ihrem hohen Wahrheitsethos so viele gefälschte Briefe verfassen konnten, bleibt nebelhaft.





