Im Ranking des britischen Magazins „Times Higher Education” wurde die Universität Ulm wiederholt zur besten jungen Universität Deutschlands erklärt. Als solche gelten Gründungen, die weniger als 50 Jahre existieren. In Ulm sind es 48 Jahre. Wie wirkt sich diese Auszeichnung aus? Und wer nimmt sie wahr?
Das nehmen die Politiker wahr. Das nehmen die Kollegen an anderen Universitäten wahr. Und es wird auch intern wahrgenommen: Die Auszeichnung gibt der gesamten Mannschaft Auftrieb.
Sind 48 Jahre Zeit genug, um erkennen zu lassen, welche Dynamik für die Region von der Universität ausgeht?
Die Universität hat den Standort Ulm maßgeblich gestärkt. Wir sind stark in Medizin und bringen medizinische Methoden maßgeblich voran. Darüber hinaus bilden wir auf höchstem Niveau Nachwuchsforscher aus – etwa in Elektrotechnik, Informatik, Chemie oder Physik. Unsere Absolventen sind überall gefragt, nicht nur hier in der Region. Eine erfolgreiche Universität bringt überdies gute Professoren und andere Wissenschaftler in die Region. Nicht zu unterschätzen ist die Bereicherung der Stadtbevölkerung durch Studierende. Ich erlaube mir zu sagen: Das hat der ehemals freien Reichsstadt gut getan.
Früher galt Ulm als Universität der Heimschläfer. Tagsüber studierte man hier und abends ging es heim zu Mama.
Das ist mir bei meiner ersten Stelle an der Universität Ulm 1976 auch aufgefallen. Inzwischen haben wir mehr als 10 000 Studierende. Von ihnen sprechen viele nicht nur Hochdeutsch, sondern als Muttersprache Englisch. Da klappt es dann nicht mehr mit dem Hotel Mama.
Die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder hat Ulm nicht als Eliteuniversität ausgezeichnet. Woran mangelt es denn?
Als kleinere und jüngere Universität haben wir noch wenig außeruniversitäre Forschung, die auf die Universität zurückstrahlt. Wir sind froh, dass wir mit unserer International Graduate School in Molecular Medicine dennoch von der Exzellenzinitiative profitieren.
Wie wirkt sich der demografische Wandel auf die deutsche Hochschullandschaft aus? Die Zahl der deutschen Bewerber wird ja mittelfristig zurückgehen.
Die Universität Ulm hat in Deutschland als Dritte einen englischsprachigen Masterstudiengang eingeführt. Wir tendieren dazu, beim Master verstärkt auf Englisch zu setzen. Bei Bachelorstudiengängen orientieren wir uns dagegen weiter mehr an der deutschen Sprache – schon um den Übergang von der Schule nicht zu strapazieren. Die Internationalisierung muss sein, um für gute Studenten aus dem Ausland attraktiv zu sein. Wir brauchen Ausländer – gerade für die deutsche Industrie, um dem zunehmenden Fachkräftemangel zu begegnen. Durch englischsprachige Studiengänge sinkt die Einstiegshürde für Ausländer. Wenn wir den Eintritt in unsere Universitäten erleichtern, tut Deutschland dies mittelfristig gut. Wer schon mal hier ist, entwickelt auch Eigeninitiative, unsere Kultur, unsere Sprache verstehen zu wollen.




Karl Joachim Ebeling
