Als größtes Problem entpuppte sich die Datenlage. Von 28 Erhebungen, die den Veröffentlichungen als Grundlage dienten, handelte es sich lediglich bei vieren um randomisierte, kontrollierte Studien, die allerdings besorgniserregend geringe Probandenzahlen aufwiesen. Die 17 vertretenen Kohortenstudien wiederum unterschieden sich drastisch in ihrer Dauer, Methodik, der Art der erhobenen Daten und der Zusammensetzung der Teilnehmer. Oft nahmen lediglich ehrenamtliche Helfer über 50 teil.
Klar scheint nach Auswertung aller Daten daher nur: Wer ehrenamtlich tätig ist, lebt tatsächlich länger. Zwar neigen gesunde und wohlhabende Menschen ohnehin eher dazu, sich in die Gemeinschaft einzubringen – und werden vermutlich allein deshalb älter als die Nicht-Ehrenamtlichen. Eine Metaanalyse der fünf dazu geeigneten, großen Kohortenstudien ergab jedoch, dass die Sterblichkeit im Beobachtungszeitraum auch dann um 22 Prozent sank, wenn Gesundheitszustand und soziodemographische Faktoren berücksichtigt wurden.
Für die seelische Gesundheit gilt: Weniger ist mehr
Was die anderen kolportierten Gesundheitsvorteile angeht, ist die Lage unübersichtlich. Die Auswertung der Kohortenstudien legt nahe, dass Menschen, die ehrenamtlich tätig sind, seltener an Depressionen erkranken, zufriedener sind und sich generell wohler fühlen – ein Ergebnis, das jedoch nicht in allen Erhebungen auftritt. In den randomisierten Versuchen war von diesen Effekten überhaupt nichts zu sehen. Dafür ließen sich hier Fortschritte in Sachen Fitness feststellen, die wiederum in den meisten Kohorten nicht auftraten. Nicht ohne Grund schreiben die Autoren: „Es bleiben viele Unsicherheiten, die uns daran hindern, klare Empfehlungen für die Praxis abzugeben. So ist zum Beispiel unklar, welche Art oder Intensität der ehrenamtlichen Tätigkeit die größten Vorteile für die Gesundheit bringt, mit welchen Folgen, und für wen.” Als öffentlich verordnetes Fitnessprogramm eignet sich das Ehrenamt vorerst also nicht.
Immerhin zeichnen sich einige Trends ab: Der psychischen Gesundheit scheinen gelegentliche Einsätze als ehrenamtlicher Helfer eher zu nutzen als ein sehr ausgeprägtes Engagement. Zwar fühlen wir uns gut, wenn jene, denen wir helfen, sich dankbar zeigen. Bleibt der Dank jedoch aus, fehlt auch die positive Wirkung auf unser Gemüt. Läuft die Arbeit aus dem Ruder, besteht außerdem die Gefahr, dass die Helfer sie eher als Bürde denn als freiwillige und erfreuliche Tätigkeit sehen. Für die körperliche Fitness hingegen gilt: Mehr ist mehr – und sei es nur, weil man öfter aus dem Haus kommt, je mehr man leistet. Besonders Engagement für die Umwelt hält auf Trab. Eine wertvolle, wenn auch nicht allzu überraschende Erkenntnis.





