Die Hand: Präziser Griff mit krummen Fingern
Tracy Kivell von der University of Kent in Canterbury und ihr Team untersuchten die Knochen einer nahezu vollständigen rechten Hand des Homo naledi. Dabei zeigten sich schon am Daumen erstaunlich moderne Merkmale: Zwei gut ausgeprägte Muskelansatzstellen verraten, dass der Vormensch bereits viel Kraft in seinem Daumen besaß. “Einer dieser Muskeln ist wichtig für die Opposition von Daumen und Fingern, und dafür, große Objekte festhalten und manipulieren zu können”, erklären die Forscher. “Der zweite Muskel wird für das präzise Zugreifen benötigt.” Auch das Handgelenk des Homo naledi ähnelt verblüffend stark dem des modernen Menschen und des Neandertalers. Seine Anatomie erlaubte es ihm, Objekte besser mit einer Hand zu halten und zu bewegen. “Diese Kombination von Merkmalen findet man nur bei engagierten, regelmäßigen Werkzeugnutzern”, sagen Kivell und ihre Kollegen. Auch wenn in der Höhle bisher keine Faustkeile oder andere Werkzeuge gefunden wurden, spricht dies ihrer Ansicht nach klar dafür, dass dieser Vormensch sich schon daran angepasst hatte, Werkzeuge herzustellen und einzusetzen.
Das zweite Erstaunliche an den Händen des Homo naledi sind seine Finger. “Die Finger sind lang und bemerkenswert gekrümmt, ähnlich wie bei heutigen Menschenaffen und frühen Homininen”, berichten die Anthropologen. Mittel- und Ringfinger sind sogar länger als die fast jedes anderen bekannten Vormenschenfossils. Gemeinhin gilt diese Kombination als typische Anpassung an eine kletternde Lebensweise: Die gebogenen Finger geben einen besseren Halt beim Greifen von Ästen und Festhalten in der Baumkrone. Daraus schließen die Forscher, dass Homo naledi zumindest einen Teil seiner Zeit noch in den Bäumen verbrachte. Daraus ergibt sich allerdings eine äußerst ungewöhnliche Kombination: Ein Vormensch, der noch in den Bäumen umherkletterte wie in Affe, aber trotzdem schon aufrecht ging und regelmäßig Werkzeuge nutze und herstellte. “Die Hand des Homo naledi belegt, dass beides durchaus miteinander vereinbar war”, so Kivell und ihre Kollegen.
Der Fuß: Moderner als von jedem anderen Vormenschen
Ähnlich verwirrend und einzigartig sind auch die Ergebnisse für den Fuß des Homo naledi. William Harcourt-Smith von der City University of New York und sein Team haben dafür 107 Fußknochen aus der Rising-Star-Höhle analysiert. Dabei stießen sie ebenfalls auf sehr moderne Merkmale. So deuten die Proportionen und Winkel der Fußknochen darauf hin, dass die Füße das Gewicht des Vormenschen bestens tragen konnten und ähnlich gut zum Gehen geeignet waren wie unsere Füße auch. Der Mittelfuß war schon deutlich steifer als bei Menschenaffen und dem Australopithecus sediba. Andererseits war das Fußgewölbe noch flach, die Ferse menschenaffenähnlich und die Zehen waren – ähnlich wie die Finger – auffallend gekrümmt. Dennoch: Insgesamt besaß der Homo naledi bereits erstaunlich modernen Füße – und ziemlich einzigartige. “Sie sind weiter entwickelt als die aller frühen Menschenformen mit Ausnahme des Neandertalers und modernen Menschen”, konstatieren Harcourt-Smith und seine Kollegen.





