Im Mittelpunkt des prächtigen Bandes steht der kranke Mensch und dessen Versuch, in seiner mittelalterlichen Umwelt mit Krankheit und Tod zurecht zu kommen. Da beides oft als Strafe Gottes angesehen wurde, suchte man Heilung und Rettung in einer verstärkten Hinwendung zum Glauben – aber oft auch in der Magie. Die Menschen griffen zu Amuletten und Hexengebräu nach teils grausigen Rezepten – beliebte Zutaten waren Leichenteile von Gehenkten. Dem durchaus schon vorhandenen medizinischen Wissen trauten sie dagegen kaum.
Kay Peter Jankrift, Historiker und Philologe, führt den Leser zwar auch in die Entwicklung der mittelalterlichen Medizin ein – in ihre Theorien, Weltbilder und Praktiken. Sie hatte während des immerhin 1000 Jahre langen Mittelalters enorme Fortschritte gemacht. Doch Jankrift geht es vor allem darum zu vermitteln, was Krankheit damals für den Einzelnen bedeutete. Dabei schildert er hautnah den mittelalterlichen Alltag und die Einstellungen der Menschen. Dem Lauf des Lebens folgend, stellt das Buch die Krankheiten der verschiedenen Altersstufen vor, aber auch durch Gewalt hervorgerufene Verletzungen und die Reaktionen der Gesellschaft darauf.
Jankrift schöpft dabei aus einer Vielzahl von Quellen: Annalen, Chroniken – und Heiligengeschichten, die er meisterhaft zum Sprechen bringt. Eine große Zahl von brillanten Abbildungen veranschaulichen den lebendig geschriebenen, detailreichen Text – insgesamt ein glänzenden Beispiel von populärer Wissenschaft auf höchstem Niveau. Michael Dallapiazza
Kay Peter Jankrift MIT GOTT UND SCHWARZER MAGIE Theiss, Stuttgart 2005 173 S., € 29,90 ISBN 3-8062-1950-8





