Durcheinander gewürfelte Schichtenfolge
Jetzt jedoch lassen neue Daten das ganze Szenario rund um die Hobbit-Menschen in anderem Licht erscheinen. Denn Thomas Sutikna von der University of Wollogong in Australien und seine Kollegen haben von 2007 bis 2014 die Fundhöhle der “Hobbits” auf Flores erneut gründlich untersucht. Dabei unterzogen sie vor allem die geologische Schichtung des Untergrunds einer genaueren Überprüfung. Es zeigte sich: Die Ablagerungen am Höhlenboden sind weitaus weniger geordnet und eindeutig zuzuordnen, als noch vor gut zehn Jahren angenommen. “Als wir unsere Ausgrabungen ausdehnten, wurde immer klarer, dass es ein großes Podest älterer Ablagerungen gab, die von einer Erosionsfläche mit jüngeren Sedimenten durchbrochen wurde”, erklärt Sutikna. Als die Archäologen damals Kohleproben für die Datierung sammelten, entnahmen sie diese nicht direkt neben den Knochen, sondern aus einem anderen Teil der vermeintlich gleichen geologischen Schicht.
Doch wie sich jetzt zeigt, war dies ein Irrtum: Wie die neuen Ausgrabungen enthüllen, stammen die Knochen des Homo floresiensis aus dem “Podest” und damit dem älteren Teil der Gesteinsschichten im Höhlenboden. Die datierten Kohlestückchen kommen dagegen aus der jüngeren, nachträglich abgelagerten Sedimentschicht, wie Sutikna und seine Kollegen berichten. Ihr Alter kann daher nicht das Alter des Homo floresiensis widerspiegeln. Um herauszufinden, aus welcher Zeit die Skelettfragmente tatsächlich stammen, haben die Forscher mit gleich drei verschiedenen modernen Methoden sowohl die Knochen des Homo floresiensis als auch Gestein direkt an deren Fundort neu datiert. Das Ergebnis: Die Uran-Thorium-Datierung von drei Unterarmknochen der Hobbit-Menschen ergab, dass diese viel früher lebten als bisher angenommen. Die Skelette sind demnach schon zwischen rund 100.000 und 60.000 Jahren alt. Steinwerkzeuge, die im Umfeld der Knochen gefunden wurden, reichen noch bis in die Zeit vor rund 50.000 Jahren, wie die Forscher berichten.
Das aber bedeutet, dass die Hobbit-Menschen fast 40.000 Jahre früher lebten als bisher angenommen – und dass sie in ihrer Region wahrscheinlich keine Zeitgenossen des anatomisch modernen Menschen existierten. Denn diese kamen erst vor rund 50.000 Jahren aus Asien auf die Inseln Indonesiens. Zu dieser Zeit aber könnte der Homo floresiensis schon ausgestorben gewesen sein. “Ob die ‘Hobbits’ daher noch modernen Menschen oder anderen Menschengruppen begegneten, als sich diese über Südostasien ausbreiteten, bleibt eine offene und spannende Frage”, sagt Roberts. Er und seine Kollegen hoffen, dass künftige Funde die Geschichte der Hobbit-Menschen und ihrer Nachbarn weiter erhellen werden.





