Hunger, Hunger, ich will fressen und zwar sofort ? Hundehalter kennen diese dringliche Botschaft nur zu gut. Diesem wahrhaft gesegneten Hunde-Appetit ist ein Forscherteam nun experimentell nachgegangen. Das Ergebnis: Die Tiere bevorzugen bei freier Wahl Futter mit einem hohen Fettanteil und nehmen dadurch bis zu doppelt so viele Kalorien zu sich wie nötig. Dieses Verhalten war für die wilden Vorfahren der Haushunde einst vorteilhaft, sagen die Wissenschaftler. Heute muss Herrchen allerdings gegensteuern, damit sich der tierische Freund nicht in einen dicken Brummer verwandelt.
Die Forscher um Adrian Hewson-Hughes vom britischen Centre for Pet Nutrition in Leicestershire wollten herausfinden, nach welchen Kriterien sich Hunde selbst ihr Traummenü zusammenstellen würden. Für die entsprechenden Versuche kreierten sie eine bunte Probandengruppe aus unterschiedlichen Rassen ? vom Cockerspaniel bis zum Bernhardiner. Für die Hunde müssen die Versuche wie Ausflüge ins Schlaraffenland gewesen sein: Jedes Tier durfte sich bis zur Sättigungsgrenze frei an verschiedenen Futterquellen bedienen, die sich in ihrer Nährstoffzusammensetzung bezüglich Protein-, Kohlenhydrat- und Fettgehalt unterschieden.
Haltloses Mampfen im Hunde-Schlaraffenland
Die Auswertungen der Forscher zeigten, dass die Menüzusammenstellungen aller Versuchstiere zu etwa den gleichen Nährstoffverhältnissen führten. Die Kalorien im Traum-Futter stammten demnach zu 63 Prozent aus Fett, zu 30 Prozent aus Proteinen und zu 7 Prozent aus Kohlenhydraten. Die Vierbeiner hauten außerdem tüchtig rein: Viele nahmen mehr als das Doppelte an Kalorien zu sich als sie täglich benötigen.
?In diesem Ergebnis spiegelt sich vermutlich das Fressverhalten der wilden Vorfahren der Haushunde wider?, erklärt Hewson-Hughes. ?In der freien Wildbahn haben Wildhunde und Wölfe oft unregelmäßigen Zugang zu Nahrung, und der Wettbewerb ist hart. Deshalb versuchen sie, die Kalorienzufuhr zu maximieren.? Konkret bedeutet das: schnell möglichst viel von den fettesten Teilen der Beute zu verschlingen. Überschüssige Energie wird dann in Form von Körperfett für schlechte Zeiten gespeichert.
Bei einem Wolf führt das unter natürlichen Bedingungen kaum zu Rundungen, anders ist das dagegen bei Fiffi, Hasso und Co: Wenig Bewegung und zu großes Nahrungsangebot lassen viele verwöhnte Vierbeiner in die Breite wachsen ? mit negativen Folgen für die Hunde-Gesundheit. “Unsere Studie betont die Bedeutung einer verantwortungsvollen Fütterung, um Hunden ein gesundes Körpergewicht zu sichern?, resümiert Hewson-Hughes.
Adrian Hewson-Hughes (Centre for Pet Nutrition in Leicestershire) et al.: Behavioral Ecology, doi: 10.1093/beheco/ars168 © wissenschaft.de –
Martin Vieweg