Da kann man mal sehen, was gelingen kann, wenn man sich ordentlich anstrengt! Newton hatte allerdings Glück, dass er nach der Pest überhaupt noch etwas sehen konnte: Ein paar seiner Experimente waren ganz schön gefährlich für die Augen. Und sie würden heute auch vermutlich bei keiner Ethikkommission durchgehen.
Schon in seiner Kindheit hatte sich Newton mit dem Sehen beschäftigt. In eines seiner Notizbücher schrieb er damals alles, was seiner Meinung nach schlecht für die Augen war: Staub, Feuer und zu viele Tränen beispielsweise, aber auch Lauch und Zwiebeln. Warmen Wein hielt Newton erstaunlicherweise ebenfalls für schädlich. Noch ein Stück erstaunlicher ist aber die Tatsache, dass er „sich eine dicke Nadel ins Auge stechen“ offenbar für völlig okay hielt. Denn genau das hat er bei einem seiner Experimente getan. Damals wusste man noch nicht, wie das Auge funktioniert. Und Newton hatte sich gefragt, ob die Form des Augapfels vielleicht einen Einfluss auf die Wahrnehmung hat.
Newton wollte die Welt wirklich dringend verstehen und war in dieser Hinsicht kompromisslos. Er zögerte nicht, sich eine dicke Nadel zu schnappen, sie zwischen Augapfel und Augenhöhle zu schieben und damit von hinten an seinem Auge herumzuwerkeln. Seine Beobachtungen und Empfindungen dabei hielt er gleichzeitig mit der anderen Hand schriftlich fest. Ein anderes Mal wollte er wissen, was das Sonnenlicht mit dem Auge anstellt. Also tat er das Naheliegende: Mit einem Spiegel lenkte er das Licht direkt auf sein Auge. Was nach einem Rezept für spontane Blindheit klingt, hat Newton mit mehr Glück als Genie unbeschadet überstanden. Er sah zwar noch Wochen später bunte Nachbilder und musste ein paar Tage lang in einem komplett verdunkelten Raum verbringen. Am Ende hatte er aber genug über Licht gelernt, um ein revolutionäres Werk über die Optik schreiben und ein Teleskop bauen zu können, das besser war als alle anderen der damaligen Zeit.
Wem im x-ten Corona-Lockdown langsam langweilig wird, sollte sich Isaac Newton aber bitte trotzdem nicht als Vorbild nehmen. Es ist wirklich gefährlich, ohne Vorkehrungen in die Sonne zu schauen. Aus gutem Grund sagen einem die Astronominnen und Astronomen vor jeder Sonnenfinsternis, dass man auf jeden Fall eine entsprechende SoFi-Brille benötigt, um sich das Ereignis anzuschauen. Keine Sonnenbrille, kein rußiges Stück Glas, keine sonstigen selbstgebastelten Hilfsmittel: Es braucht spezielle Filter, die das intensive Licht unseres Sterns abschwächen. Wenn man trotzdem darauf verzichten will, um ungeschützt in die Sonne zu starren, hat man davor hoffentlich schon alles gesehen, was man in seinem Leben sehen wollte. … Eigentlich sollte man das ja nicht extra betonen müssen. Es tut ja immerhin weh, wenn man direkt in die Sonne schaut. Und unser Körper hat sich im Laufe der Evolution die Sache mit dem Schmerz schließlich nicht aus Spaß an der Freude ausgedacht. Wenn etwas wehtut, sollten wir es bleiben lassen. Aber zumindest in der Welt der Pseudomedizin ist nichts zu dumm, als dass es irgendwer nicht als angeblich revolutionäre Heilungsmethode verkaufen würde. Wer Probleme mit den Augen hat und eine Brille tragen muss, wünscht sich manchmal, darauf verzichten zu können. Die Wissenschaft hat dazu die „refraktive Chirurgie“ im Repertoire oder „sich das Auge lasern lassen“, wie es die Öffentlichkeit meistens nennt. Das funktioniert vergleichsweise gut und auf jeden Fall besser als das, was anderswo unter dem Label „Augentraining“ angeboten wird. Durch diverse Übungen sollen dabei ganz ohne Laser und Brille alle möglichen Arten der Fehlsichtigkeit behoben werden können.





