Hilfreich aber auch fragwürdig
Bei dem Wust an möglichen Informationen kann dieses Konzept hilfreich sein, dem Nutzer besseren Zugang zu den Themen zu geben, die ihn interessieren. Doch die Vorauswahl wirft auch kritische Fragen auf. So könnte dieses Verfahren beispielsweise für die Demokratie schädlich sein: Die Überzeugungen von Nutzern könnten sich zunehmend verhärten, weil Informationen ausgeblendet werden, die ihren Einstellungen widersprechen. Ein Forscherteam unter der Beteiligung von Facebook und der University of Michigan in Ann Arbor ist in diesem Zusammenhang nun der Frage nachgegangen, welche Bedeutung das Filtersystem von Facebook dafür hat, welche Informationen einen Nutzer tatsächlich erreichen.
Die Forscher analysierten dazu die Aktivitäten von mehr als zehn Millionen Facebook-Nutzern. Anhand ihrer öffentlichen Profilinformationen und der News, die sie selbst über Facebook verbreiteten, ließen sie sich als eher konservativ oder liberal einordnen. Anschließend untersuchten die Wissenschaftler, welchen Charakter diejenigen Beiträge ihrer Facebook-Freunde besaßen, die das Filtersystem den jeweiligen Nutzern präsentierte. Abschließend wurde dann ausgewertet, welche der Beiträge im Newsfeed die User tatsächlich aufgerufen hatten.
Selbst-Zensur überwiegt
Die Auswertungen der Forscher ergaben: Das Filtersystem hat etwa15 Prozent der möglichen News, die nicht den Einstellungen eines jeweiligen Nutzers entsprachen ausgeblendet. Der Rest erschien also durchaus noch auf dem Bildschirm. Diese für sie „widerspenstigen” Beiträge wurden zu 70 Prozent von den Nutzern ignoriert, zeigten die Analysen. Mit anderen Worten: Der durchschnittliche Facebook-Nutzer hat durchaus viele Möglichkeiten seine Überzeugungen und Ansichten herauszufordern – er nutzt sie allerdings selten. Der Effekt des Filtersystems schränkt diese Wahlmöglichkeit hingegen vergleichsweise wenig ein. Die Forscher geben außerdem zu bedenken, dass Nutzer von speziellen Blogs oder Newsfeeds im Internet mit deutlich weniger Meinungsvielfalt konfrontiert werden als bei Facebook.
Dem Wissenschaftlerteam zufolge sei es dennoch wichtig, dass Forscher nun die weitere Entwicklung von Filtersystemen bei Social-Media-Plattformen im Auge behalten, um fragwürdige Entwicklungen aufzuzeigen. Dieser Meinung schließt sich auch der Kommunikationswissenschaftler David Lazer von der Harvard University in Cambridge an. In einem kommentierenden Artikel im Fachmagazin „Science” schreibt er: „Ein kleiner Effekt heute könnte sich schon morgen zu einem großen entwickeln – alles hängt von den Änderungen der Algorithmen ab und auch von den Entwicklungen beim Nutzerverhalten”, so Lazer.





