Der Beitrag erinnert mich an den Rohrbach-Prozess vor circa 50 Jahren in Münster. Nachdem man eine männliche Leiche ohne Kopf gefunden hatte, wurde die Ehefrau wegen Mord verurteilt, weil sie laut Gutachten den Kopf ihres Mannes im Ofen verbrannt hatte. Bald darauf wurde aber der Kopf gefunden, was die ohnehin von vielen gehegten Zweifel bestätigte.
Bei der Wiederaufnahme des Prozesses stellten andere Gutachter fest, dass das erste Gutachten der reinste Humbug war. Vom Verteidiger durch Fragen in die Enge getrieben, gab der erste Gutachter schließlich zu, dass er trotz besseren Wissens geschrieben hatte, was der Staatsanwalt hören wollte. Weitere Gutachten waren im ersten Prozess nicht gemacht worden.
Rudolf Bußmann, Bergheim
Die Begriffe Moral und Ethik verschwinden immer mehr aus dem Vokabular der Juristen. Wenn sie noch da wären, müssten Gutachter im Falle des Irrtums mindestens ihr Honorar zurückzahlen. Und da liegt das Problem.
Radoslav Res, per E-Mail
Große Worte
bdw-Nachrichten Heft 1/2014 und Leserzuschrift in Heft 3/2014
Im Zitat von Fotini Markopoulou-Kalamara („Physiker denken nicht über Gott nach, weil er ein wenig langweilig ist”, Anm.d.Red.) kann ich beim besten Willen keine negative Äußerung über Religionen erkennen.
Die physikalische Forschung an sich erfordert, wie die in anderen Fächern auch, nicht zwingend ein Nachdenken über Gott. Dass es namhafte Physiker gab und gibt, die über den Glauben nachdachten oder nachdenken, beweist nicht, dass es andere namhafte Forscher auch tun müssen. Gegenbeispiele lassen sich genauso finden.
Zwar beruft sich das deutsche Grundgesetz in der Präambel auf die Verantwortung vor Gott, doch in Artikel 3, Absatz 3, wird darauf hingewiesen, dass niemand wegen seiner religiösen Anschauung bevorzugt oder benachteiligt werden darf. Religionsfreiheit bedeutet aber auch, frei von Religion sein zu dürfen. Wie sagte doch Friedrich II. zutreffend? „Jeder soll nach seiner Façon selig werden.”
Dieter Scheller, per E-Mail
Ihre Meinung ist gefragt
Leserforum in Heft 3/2014: Brauchen wir Archäologen?
Wenn ich überlege, wie viele Milliarden für die Erkundung des Bodens auf dem Mars oder für die Untersuchung des Atoms ausgegeben werden, dann ist es sicherlich einige Millionen wert, zu wissen, woher man kommt und wie man früher gelebt hat. Wir brauchen die praktischen Wissenschaften zum Leben, aber die „ Luxuswissenschaften”, um es lebenswert zu machen.
Dr. Fritz Schumann, per E-Mail
Die Archäologie müsste eigentlich als die Mutter der Wissenschaften bezeichnet werden: Neugierig sein, Grabungsort bestimmen, graben, schürfen, sieben, (be)reinigen, vermessen, Alter bestimmen, zusammenpuzzeln, Kausalitäten feststellen, archivieren, weitergraben. Nicht umsonst arbeiten Archäologen mit fast allen Wissenschaftsbereichen zusammen.
Margit Allerding, Öhningen
In die Archäologie sollte viel weniger Geld fließen. Die Erkenntnisse werden – auch in bild der wissenschaft – stark überbewertet. Viel schlimmer ist der Schaden, der an den alten Kultstätten und Gräbern angerichtet wird. Unzählige Kulturzeugnisse werden mit staatlichen Mitteln geplündert und verwüstet. Artefakte werden in Museen verschleppt, wo viele durch Kriege, andere Katastrophen oder Unfähigkeit untergehen. In der Erde haben sie Jahrtausende überdauert. Wenn in 100 Jahren Wissenschaftler mit neuem Wissen, neuen Methoden und Geräten neue Fragen stellen, werden sie entsetzt sein über die Zerstörungswut unserer Zeit.
Fritz Hentschel, per E-Mail
Das Steuergeld ist gut angelegt. Na klar, Archäologie trägt fast nichts zum Bruttosozialprodukt bei. Und wozu investiert der Staat Millionen in Theater, Kunstakademien und philosophische Fakultäten, die alle den Steuersäckel belasten? Entwicklungs-, Hunger- und Katastrophenhilfe – sanieren die den Bundeshaushalt oder sichern die unsere Renten? Doch wohl nicht! Warum also leisten wir uns all diesen Luxus, und wozu? Das „Warum” beantwortet sich einfach: Weil Kultur uns als Menschen auszeichnet. Welchen Sinn macht die Anhäufung von Geld und Gütern, wenn nicht den, unseren Wissensdrang, unseren Spieltrieb und – nicht zuletzt – unser Mitgefühl zu befriedigen?
Auf die Frage „Wozu” antworten die meisten Menschen spontan, dass Kultur eigentlich keinen Nutzen habe. Die Geschichte zeigt aber, dass der Nutzen im Lerneffekt besteht: Kultur in jeder Form macht uns klüger, weiser und stärker. Sie hilft uns, viele Probleme zu lösen, die wir vorher für unlösbar hielten. Speziell durch die Archäologie und verwandte Wissenschaften lernen wir aus der Vergangenheit, nach welchen Regeln sich die Zukunft gestaltet.
Dr. Wilhelm von Eßen, Schloß Holte-Stukenbrock
Auch einem Staat darf man – wie jedem Bürger – einen gewissen Luxus zugestehen, zum Beispiel Musik und Theater. Es ist genauso richtig, Steuergelder in das „Luxusfach” Archäologie zu investieren, wie in die Grundlagenforschung. Zweckfreie Forschung muss möglich sein!
Elmar Hartl, per E-Mail
Archäologie ist aus heutiger Sicht leider für die Menschheit nicht nutzbar. Leh- ren beziehungsweise Erkenntnisse aus menschlichen Fehlern vergangener Zeiten, die die Archäologie ans Licht bringt, wie Umweltzerstörungen, Kriege, Tyrannei et cetera, werden von den Menschheitslenkern weder für heute noch für die Zukunft gezogen. Grabbeigaben, die die Archäologen heben, sind das Eigentum Verstorbener. Setzt die Mittel, die die Archäologie verschlingt, woanders sinnvoll ein und lasst die Toten ruhen.
Richard Bürger, Bad Nauheim- Schwalheim





