Die Osterinsel hat weltweit Aufmerksamkeit erlangt, weil auf ihr viele hundert kolossale Steinstatuen stehen und man immer noch rätselt, wie Menschen ohne besondere Werkzeuge oder göttliche Hilfe derart massive Bildsäulen in Form überdimensionaler Köpfe anfertigen und aufrichten konnten und was sie damit vorhatten. Man wusste ebenso wenig zu sagen, woher die Inselbewohner gekommen waren und wie lange sie schon auf Rapa Nui siedelten. Sprachforscher meinten, zeigen zu können, dass die Osterinsulaner von Westen her – aus Polynesien – gekommen sein mussten, und zwar schon ab dem 12. Jahrhundert. Pollenanalysen ergaben, dass es auf Rapa Nui große Palmen gegeben hat, die dann abgeholzt wurden, um die Statuen zu transportieren.
Dem Raubbau folgte die Bodenerosion, mit den Bäumen verschwanden zudem die Landvögel, die ökologische Katastrophe ließ Stammeskriege aufflammen, und so kam es zu einem „Kollaps“, wie der Bestseller von 2005 heißt, in dem Jared Diamond nicht nur auf Rapa Nui, sondern allgemein das Scheitern von Gesellschaften beschrieben hat – ein Thema, das damals gerade in Mode war.
Der Kollaps auf der Osterinsel wurde zum warnenden Beispiel für die Gegenwart, nachdem Hollywood daraus 1994 einen Film gemacht hatte und der globale Wunsch nach einer nachhaltigen Lebensweise aufkam. Man sah die große Welt wie die kleine auf der Osterinsel kollabieren, und lange Zeit schien kein Zweifel an der Feststellung möglich, dass die Übernutzung der Natur zur Katastrophe auf Rapa Nui geführt hatte, wobei die Analysten jedoch ziemlich großzügig bei der Abschätzung der Bevölkerungszahl und der Einschätzung des einheimischen Lebensstandards verfuhren. Die medialen Prognostiker des Untergangs zeigten mit dem warnenden Finger auf die Insel mit den Riesengesichtern aus Stein – und jetzt scheint das alles nur Unsinn zu sein und es nie einen Kollaps gegeben zu haben. Nicht zu glauben!
Aber Rapa Nui zeigt nicht, wie Menschen aus Blödheit untergehen. Die Osterinsel zeigt, wie eine polynesische Kultur es verstanden hat, sich nicht nur anzupassen, sondern ein „irdisches Paradies“ zu schaffen, wie archäologische und genetische Forschungen aus jüngster Zeit zu berichten wissen. Die Darstellungen von „Resilienz-Lektionen aus alten Gesellschaften“ nehmen zu und die von Zusammenbrüchen nehmen ab.
Wenn man fragt, wie die Gegenwart daraus Hoffnung schöpfen und die eigene Lebensweise so nachhaltig gestalten kann, dass ein Kollaps ausbleibt, kann man auf eine genetische Vielfalt der Inselpopulation und die Gartenarbeit dort verweisen, auf Rapa Nui sogar mit Felsgestein. Vielleicht ist es einfach die Kunst, die Menschen hilft. Wenn ihre Werke groß genug sind, wollen alle mit ihnen weiterleben. Ein Weg wird sich finden.





