Laut den archäologischen Funden wuchs die Bevölkerung etwa um 400 vor Christus im nördlichen Titicaca-Becken stetig an. Die kleinen, circa 20 bis 25 Kilometer voneinander entfernten Zentren traten dabei zunehmend in Konkurrenz. Mit steigender Unzufriedenheit in der Bevölkerung nahmen auch Konflikte und Kriege zwischen einzelnen Handelspartnern zu. Stärkere Regionen vereinnahmten schwächere, aus vielen kleinen Zentren wurden immer weniger größere. Im ersten Jahrhundert nach Christus dominieren schließlich nur noch zwei Siedlungen: Taraco und Pukara.
Funde aus Taraco lassen auf einen hohen Lebensstandard und eine große politische Bedeutung schließen: hochwertige Werkzeuge und Geräte ? vielfach aus widerstandsfähigem, glasartigem, meist schwarzem Obsidian, aber auch aufwendig verzierte Keramik. Ein großes Feuer, vermutlich Ende des 2. Jahrhunderts, zerstörte das Zentrum jedoch fast vollständig. Laut den US-Forschern brannten die Mauern aus Lehm nahezu restlos ab, zuvor mehrfach recycelte Holzbalken konnten nicht mehr wiederverwendet werden. Eine derartiges Ausmaß an Zerstörungen ist nur von feindlichen Angriffen bekannt. Die Vermutung der Wissenschaftler: Die Nachbarregion Pukara zerstörte das konkurrierende Zentrum. Dafür spricht zum einen ein auffälliger Bedeutungszuwachs Pukaras etwa zur Zeit des großen Feuers. Zum anderen fanden die Archäologen für Pukara typische Erzeugnisse in dem offenbar nur spärlich wiederaufgebauten Tacara ? die Flammen löschten buchstäblich die Bedeutung der Siedlung aus.
In den folgenden drei Jahrhunderten dominierte Pukara den nördlichen Teil des Titicaca-Beckens. Im 6. Jahrhundert wurde das Zentrum dann von Tiwanaku vereinnahmt, das sich in einem ähnlichen Prozess im südlichen Teil des Beckens durchsetzen konnte ? einer der ersten Staaten mit ausgeprägter kultureller, wirtschaftlicher und politischer Struktur der zentralen Anden war entstanden.
Die Studie belegt also, dass der Bildung von Staaten nicht ? wie bis vor 30 Jahren mehrheitlich angenommen ? einzelne dominierende Zentren vorausgehen, sondern ein steter Wechsel von Handels- und Machtbeziehungen. Gut organisierte und politisch und wirtschaftlich stabile Regionen können sich offenbar auf Dauer durchsetzen und schwächere Regionen unter sich vereinen. Hinweise auf ähnliche Prozesse fanden Wissenschaftler auch in Mittelamerika und an der Nordküste des heutigen Perus.





