Mehr als 2.000 Jahre lang prägte die Kultur der Maya weite Teile Mittelamerikas. Ihr in rund 50 Königreiche und Stadtstaaten gegliedertes Reich reichte vom Tiefland auf der Halbinsel Yucatán bis zum Hochland auf der Pazifikseite. In der klassischen Mayaperiode von 250 bis 900 nach Christus waren die Maya die dominierende Zivilisation auf dem Kontinent. Sie errichteten gewaltige Tempel und Monumentalbauten, nutzten komplexe astronomische und kalendarische Berechnungen und konstruierten durchdachte Systeme zur Wasserversorgung ihrer Städte. Trotz eindrucksvoller Ruinenstädte wie Chichen Itza, Tikal, Calakmul oder Palenque sind aber längst nicht alle Zeugnisse dieser geheimnisvollen Kultur entdeckt. Vor allem die von hügeligem Regenwald geprägte mexikanische Provinz Campeche ist bisher erst zu einem Bruchteil archäologisch kartiert.
Laserscanning enthüllt Mayabauten im Regenwald
Deshalb hat ein Team um Luke Auld-Thomas von der Tulane University in New Orleans die Chance genutzt, frei verfügbare, ursprünglich für die Umweltkartierung erstellte Laserscanning-Daten aus der Provinz Campeche genauer zu analysieren. Mithilfe eines selbstentwickelten Analyseprogramms suchten sie in dem rund 122 Quadratkilometer großen LIDAR-Untersuchungsgebiet nach archäologischen Spuren im Dschungel. Tatsächlich wurden sie fündig: Insgesamt entdeckten die Archäologen mehr als 6.500 präkolumbische Relikte in dem untersuchten Regenwaldstück, darunter auch Ruinen einer riesigen Mayastadt. “Diese Stadt mitsamt Pyramiden liegt direkt neben der einzigen Fernstraße dieser Gegend und ganz in der Nähe einer modernen Stadt”, berichtet Auld-Thomas. “Obwohl die Menschen dort seit Jahren zwischen den Ruinen Landwirtschaft betreiben, wusste niemand in der Regierung oder der Wissenschaft etwas davon.”
Die neu entdeckte Mayastadt erstreckt sich über 16,6 Quadratkilometer und umfasst tausende Bauten. “Unsere erste Reaktion war: Wow, dort draußen sind so viele Gebäude, von denen wir nichts wussten. Die Bevölkerung dort muss enorm gewesen sein”, sagt Auld-Thomas. Nach Schätzungen der Archäologen könnte die Mayastadt einst von 30.000 bis 50.000 Menschen bewohnt worden sein. Die Überreste der Bebauung und landwirtschaftliche Flächen in Form von ummauerten Feldterrassen füllen das gesamte Gebiet nahezu lückenlos aus, wie die LIDAR-Analysen zeigten. Das Team hat dieses neu entdeckte Siedlungsgebiet “Valeriana” getauft, nach einer nahegelegenen Lagune. Ihren Angaben zufolge könnte diese Mayastadt eine der größten und am dichtesten besiedelten in ganz Mittelamerika gewesen sein. “LIDAR lehrt uns, dass die Tiefland-Maya ihre tropische Umgebung mit einem vielseitigen Teppich von Städten und Dörfern überzogen”, sagt Seniorautor Marcello Canuto von der Tulane University. “Aber wir sehen sehr deutlich, wie die Maya ihre Umwelt veränderten, um ihre langlebige, komplexe Gesellschaft zu versorgen.”





