“Weitere Forschung ist nötig, um den sozialen Kontext und die Größe des Problems ganz zu erfassen und um Vorbeugungsmaßnahmen zu entwickeln”, erklärt Rachel Jewkes. “Effektive Maßnahmen sind erforderlich, um Vergewaltigung und sexuelle Belästigung von Mädchen in der Schule zu verhindern. Südafrika hat erst kürzlich begonnen, sexuelle Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern, ob nun einvernehmlich oder nicht, als schweren Verstoß zu betrachten, der zur Entfernung des betreffenden Lehrers aus dem Kollegium führt.” Außerdem, so fordern die Wissenschaftler, müsse es Aufklärungskampagnen über Sex und sexuell übertragbare Krankheiten geben.
In Südafrika haben in den vergangenen Jahren die Vergewaltigungen von Mädchen stark zugenommen. Mediziner, die das Problem jetzt näher erforscht haben, stellten fest, dass die Täter in einem Drittel aller Fälle Lehrer der Opfer waren. Zu den Vergewaltigungen kommt es nach den Erkenntnissen der Forscher weniger wegen besonderer psychischer Störungen der Täter, sondern vor allem wegen eines gefährlichen und sich hartnäckig haltenden Mythos: Viele Männer glauben, der Sex mit einem unberührten Mädchen könne eine HIV-Infizierung heilen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der Zeitschrift “The Lancet” (26.01.02).
Rachel Jewkes vom Medical Research Council in Südafrika und ihre Kollegen haben die Daten von mehr als 11.000 Frauen zwischen 15 und 49 Jahren erhoben. Die Frauen wurden vor allem nach erlebten Vergewaltigungen vor dem 15. Lebensjahr gefragt. 153 der befragten Frauen (1,6%) gaben an, vor ihrem 15. Lebensjahr vergewaltigt worden zu sein. Von diesen 153 Fällen kamen 85 Prozent im Alter zwischen zehn und vierzehn Jahren und 15 Prozent zwischen dem fünften und neunten Lebensjahr vor. In 33 Prozent aller Fälle waren Lehrer die Täter. Nahe Verwandte waren genauso häufig Täter wie flüchtige Bekannte, nämlich zu je 21 Prozent. Die Freunde der Mädchen waren in 10 Prozent der Fälle die Täter.
Doris Marszk





