Rigdon differenziert durch ihre Studie die Aussagen der so genannten “efficiency wage theory”. Diese geht davon aus, dass ? gemäß dem Belohnungsprinzip ? ein höheres Gehalt auch zu mehr Arbeitseinsatz führt. Das gilt offenbar nicht, wenn Arbeitgeber und -nehmer sich unbekannt sind.
Ein höherer Lohn bewirkt nicht unbedingt, dass sich Arbeitnehmer mehr anstrengen. Entscheidend für die Motivation der Beschäftigten ist dabei nämlich, ob sie in direktem Kontakt zu ihrem Brötchengeber stehen oder nicht. Das berichtet Mary Rigdon von der Universität von Texas in einer Vorabveröffentlichung der Zeitschrift “Proceedings” der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften.
In Rigdons Studie hatten Studenten die Rolle konkurriender Arbeitgeber und -nehmer übernommen. Beide Gruppen waren sich nicht persönlich begegnet. Dies sollte die Situation in großen Unternehmen widerspiegeln und die Beschäftigten daran hindern, nur ihren Vorgesetzten zuliebe zu handeln. Tatsächlich gaben fast 80 Prozent der Arbeitnehmer unter diesen Umständen an, weniger zu arbeiten, als sie es zunächst in ihrem Vertrag zugesichert hatten.
Barbara Witthuhn





