Neue Spuren menschlicher Aktivität
Jetzt werfen weitere Funde aus Madjedbebe ein neues Licht auf die Frühgeschichte der Australier. Chris Clarkson von der University of Queensland in Brisbane und seine Kollegen haben bei Ausgrabungen im Felsunterstand unterhalb des bisherigen Grabungsniveaus eine weitere, noch ältere Schicht entdeckt. In dieser stießen sie auf tausende Fragmente von Faustkeilen und Steinäxten, sowie auf Mahlsteine und große Mengen von Ocker und anderen Pigmenten. Ebenfalls erhalten waren Reste einer Feuerstelle sowie Pflanzenreste und Tierknochen. “Diese Fundschicht repräsentiert die erste Phase der Besiedlung dieses Felsunterstands”, berichten die Forscher. Unterhalb dieser Schicht fanden sie nur noch ungestörten, fundfreien Boden. Zudem deutete nichts darauf hin, dass diese Schichtfolge nachträglich verändert worden war.
Doch wie alt war diese neuentdeckte Schicht? Um diese Frage zu beantworten, nutzten die Wissenschaftler die Radiokarbondatierung, um einige Kohlenreste des prähistorischen Lagerfeuers zu datieren. Weil diese Methode jedoch nur organisches Material mit einem Alter von bis zu maximal 45.000 bis 50.000 Jahren datieren kann, ergänzten Clarkson und seine Kollegen sie durch die sogenannte optisch stimulierte Lumineszenz (OSL). Bei dieser werden Quarzkörnchen aus der Fundschicht mit Licht bestrahlt und so angeregt. Sie geben dann im Kristall gespeicherte Energie als Strahlung ab. Die Menge und Art der Strahlung gibt Auskunft darüber, wann die Körnchen zuletzt Tageslicht gesehen haben. Das verrät das Alter der Fundschicht.
Spannende Konsequenzen
Die Datierungen ergaben: Die neuen Funde aus Madjedbebe sind rund 65.000 Jahre alt – und damit deutlich älter als alle bisher bekannten Menschenspuren in Australien. “Dies setzt ein neues Minimalalter für die menschliche Kolonialisierung Australiens und für die Verbreitung des Homo sapiens aus Afrika und über Südasien”, konstatieren Clarkson und seine Kollegen. Denn die Menschen, die diese Werkzeuge herstellten, müssen mindestens 10.000 Jahre früher in Australien angekommen sein als nach gängiger Theorie. Dies könnte bedeuten, dass sie auch entsprechend früher aus Afrika aufbrachen. Auf ihrem Weg nach “Down Under” könnten diese Menschen sogar noch einem sehr rätselhaften Vetter des Menschen begegnet sein: dem Homo floresiensis begegnet sein. Diese zwergenhaften “Hobbit-Menschen” lebten bis vor rund 50.000 Jahre auf der indonesischen Insel Flores – und damit in einer Gegend, die auch der Homo sapiens auf seinem Weg nach Australien wahrscheinlich durchquert hat.
Der neue “Zeitplan” könnte auch Konsequenzen für ein weiteres Rätsel der australischen Frühgeschichte haben: das Aussterben der Megafauna . Denn bis vor rund 45.000 Jahren lebten in Australien zahlreiche sehr große Tiere, darunter tonnenschwere Wombats, metergroße Laufvögel und drachenähnliche Warane. Doch sie alle verschwanden relativ abrupt und in den Fossilfunden sind seither so gut wie keine Tiere mit Körpermassen von mehr als 100 Kilogramm zu finden. Bisher wurde die Schuld an diesem Aussterben den neuankommenden Menschen und ihrer intensiven Jagd zugeschrieben.





