Die Arabische Halbinsel ist heute eine von Trockenheit und Wüsten gekennzeichnete, eher unwirtliche Region. Unter anderem deshalb ist ihre Frühgeschichte bislang kaum erforscht. So gibt es inzwischen zahlreiche Fossilfunde, die belegen, dass der Homo sapiens schon vor mehr als 130.000 Jahren aus Afrika bis in die Levante gelangt sein muss. Ob unsere Vorfahren aber auch über Arabien in Richtung Asien zogen und ob diese Region damals überhaupt lebensfreundlich genug war, blieb lange unklar. Inzwischen gibt es jedoch ausreichend Indizien dafür, dass die Arabische Halbinsel in der Zeit vor 120.000 bis 80.000 Jahren mehrere Phasen mit einem milden, feuchten Klima durchgemacht hat. ‘”Es gab immer wieder Zeiten in der Vergangenheit, in der sich die Wüsten in ausgedehntes Grasland mit Süßwasserseen und Flüssen verwandelten”, erklärt Richard Clark-Wilson von der Royal Holloway University. “Während dieser Perioden des klimatischen Aufschwungs drangen auch menschliche und tierische Populationen in das Innere der Halbinsel vor, wie die archäologischen und fossilen Aufzeichnungen zeigen.” Die bislang ältesten Zeugnisse dafür waren rund 100.000 Jahre alt.
Fußspuren im prähistorischen Seegrund
Doch jetzt gibt es noch ältere Spuren – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Clark-Wilson, Mathew Stewart vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena und ihre Kollegen haben in der Nefud-Wüste in Saudi-Arabien hunderte von versteinerten Fußspuren entdeckt, die aus der Zeit vor rund 120.000 Jahren stammen. Unter den rund 370 Abdrücken sind zahlreiche Spuren großer Pflanzenfresser wie Elefanten, Kamele, Pferde oder Antilopen. “Wir erkannten sofort das Potenzial dieser Funde”, sagt Stewart. “Fußabdrücke sind eine einzigartige Form fossiler Beweise, da sie Momentaufnahmen aus der Vergangenheit liefern, die typischerweise nur einige Stunden oder Tage abbilden, eine hohe Auflösung, die wir von anderen Aufzeichnungen gewöhnlich nicht erhalten.” Der Fund zahlreicher Fußabdrücke an einem einzigen Ort und weitere Funde in den Sedimenten des Sees lassen vermuten, dass sich die Tiere um den See herum versammelten, als anhaltende Trockenheit zu einer abnehmenden Wasserversorgung führte.
Unter den vielen Tierspuren entdeckten die Forscher auch sieben Abdrücke von Menschen. Aufgrund ihrer Form und Größe und ihrer Datierung schließen sie, dass es sich um die Spuren unserer Vorfahren handeln muss. “Es gibt Hinweise, dass Neandertaler erst nach der letzten Zwischeneiszeit und mit der Rückkehr kühlerer Bedingungen in die Region zogen”, sagt Stewart. “Die Fußabdrücke, die wir gefunden haben, stammen deshalb höchstwahrscheinlich von Angehörigen unserer Spezies, Homo sapiens.” Vier der menschlichen Fußabdrücke liegen nahe beieinander am südwestlichen Rand des Urzeitsees. “Angesichts ihrer gleichen Ausrichtung, ihrer Abstände voneinander und der unterschiedlichen Größen gehören sie wahrscheinlich zu zwei oder drei Individuen, die gemeinsam hier entlanggingen”, erklären die Wissenschaftler.





