In den Überresten eines 5.300 Jahre alten Bauerndorfes namens Quanhucun haben Forscher um Yaowu Hu von der Chinese Academy of Sciences in Peking Knochen von zwei Katzen entdeckt, die auf die enge Beziehung der Tiere mit den damaligen Menschen schließen lassen. Hirse bildete die Grundlage der Ernährung des Dorfes – das spiegelt sich in der Zusammensetzung der Kohlenstoff- und Stickstoffisotope verschiedener Funde in Quanhucun wider: In Collagen-Resten aus Knochen von Menschen, Hunden, Schweinen und Nagetieren fanden die Forscher die typischen Isotopenmuster von Hirse. Doch überraschenderweise auch bei den Katzen: Die Analyse ihrer Knochen machte deutlich, dass die Tiere in dem Dorf nicht nur Hirse-gemästete Nager gejagt, sondern sich auch direkt von Hirse-Produkten ernährt hatten. Den Forschern zufolge legt das nahe, dass die Katzen entweder menschliche Essensreste nutzten, oder aber aktiv gefüttert wurden.
Beide Partner profitierten von der Beziehung
Bei einer der beiden Katzen handelte es sich außerdem um ein vergleichsweise altes Tier, zeigte die Untersuchung der Abnutzung der Zähne. Offenbar hatte die Katze in dem Dorf ein langes und gutes Leben geführt, interpretieren die Forscher. Die Tiere profitierten demnach klar von der Nähe zum Menschen. Umgekehrt war das vermutlich aber ebenso der Fall: Die Menschen schätzten die Katzen sicherlich als fleißige Jäger, denn Spuren von Mäusenestern in den Überresten der Hirsespeicher Quanhucuns belegen ein erhebliches Nager-Problem der Bauern vor 5.300 Jahren.
All dies passt zu den bisherigen Vorstellung darüber, wie es einst zu den ersten Kontakten zwischen Mensch und Katze kam, sagen die Wissenschaftler: Mit dem Getreideanbau waren die Mäuse und Ratten gekommen – ihnen folgten wiederum die Katzen. Als Feinde der lästigen Nager waren sie den Menschen willkommen und so lernten sich beide zunehmend schätzen. Die vielschichtige Beziehung, die sich dann entwickelte, ist allerdings im Vergleich zum Hund etwas Erstaunliches, denn im Gegensatz zu diesem Rudeltier waren die Vorfahren der Hauskatze widerspenstige Eigenbrötler, die keine „Herrchen” akzeptierten. Doch trotzdem waren die cleveren Tiere in der Lage, ihr Sozialverhalten an das unsrige anzupassen und den Menschen dadurch für sich zu gewinnen. Das bedeutet: Die Katze wurde eigentlich nie durch den Menschen domestiziert, sie hat sich gleichsam selbst zum Haustier gemacht. Bis heute spiegelt sich dies im Wesen der Hauskatze wider: Sie bleibt unabhängig, unbeherrschbar und scheint sich selbst als uns gleichberechtigt zu empfinden – eine Eigenschaft, die viele Menschen an ihr schätzen.





