Nach einer neuen genetischen Studie waren unsere Vorfahren in Europa nicht neolithische Bauern, die vor 7500 Jahren aus dem Nahen Osten einwanderten, sondern seit Zehntausenden von Jahren einheimische Jäger und Sammler. bdw sprach mit Joachim Burger, Senior-Autor der Studie und Professor für Molekulare Archäologie an der Universität Mainz.
Wie kommen Sie zu Ihrer These?
Wir haben aus 25 neolithischen Skeletten, die von verschiedenen Orten Europas stammen, Bruchstücke der mitochondrialen DNA isoliert, die nur über die Mutter vererbt wird. Danach entdeckten wir, dass bestimmte DNA-Sequenzen bei den Bauern häufig vorkamen. Diese Sequenzen finden wir bei modernen Europäern aber 150-mal seltener. Daraus schlossen wir, dass die Wurzeln der modernen Europäer nicht bei den Bauern liegen können. Folglich bleiben nur altsteinzeitliche Jäger und Sammler als mögliche Urahnen übrig.
Das widerspricht der vorherrschenden Lehrmeinung.
Das stimmt, unser Ursprung ist jetzt umstritten. Die Archäologen konnten zeigen, dass sich die neolithische Kultur aus dem Nahen Osten innerhalb weniger Generationen in Mitteleuropa erfolgreich verbreitet hat. Die Träger dieser Kultur, also die ersten Bauern Europas, verschwinden allerdings nach dieser Pionierleistung. Aber ihre Kulturtechniken, die wir als Bandkeramik bezeichnen, sind erhalten geblieben – ebenso wie der Ackerbau und ihre Tiere. Anscheinend haben die Jäger und Sammler die Kultur der anatolischen Bauern übernommen.
Was ist mit den Bauern passiert?
Das weiß niemand. Eine Möglichkeit wäre, dass mehrere harte Winter die Bauern schwer dezimiert haben. Aber das ist nichts als pure Spekulation.





