Die „Himmelsscheibe von Nebra” ist einer der bedeutendsten archäologischen Funde der jüngsten Zeit. Die 3600 Jahre alte Bronzescheibe wurde 1999 von Raubgräbern auf dem Mittelberg in Sachsen- Anhalt entdeckt und 2002 in Basel sichergestellt. Jetzt haben Forscher der Universität Bochum um den Archäo-Astronomen Wolfhard Schlosser das Geheimnis des Artefakts entschlüsselt.
Herr Prof. Schlosser, was ist auf der „Himmelsscheibe von Nebra” zu sehen?
Auf ihr ist die älteste konkrete Himmelsdarstellung der Menschheit abgebildet. Offenbar stellten sich die Menschen aus der Bronzezeit die Erde als flache Scheibe vor, die von einem Himmel kuppelförmig überwölbt wird. Die Erde wird umkreist von Sonne, Sternen und Mond. Ein kuppelförmiges Weltbild wurde übrigens erst 1000 Jahre später durch den griechischen Mathematiker Thales beschrieben.
Welche Bedeutung hatte die Scheibe für die Menschen damals?
Sie wurde als Kalender benutzt, der das bäuerliche Jahr markierte. Dabei spielen Voll- und Sichelmond sowie ein Sternenhaufen, die Plejaden, die entscheidende Rolle. Wenn sie um den 10. März letztmalig in dem Teil des abendlichen Himmels zu sehen waren, in dem auch die Mondsichel erschien, war es Zeit zu säen. Waren die Plejaden um den 17. Oktober letztmalig in dem Teil des Himmels zu sehen, wo der Vollmond stand, war Erntezeit.
Wie lange haben sich die Menschen darauf verlassen?
Die Scheibe war 200 bis 400 Jahre in Gebrauch, bevor sie vergraben wurde. Spannend ist, dass sie im Laufe dieser Zeit mehrfach verändert wurde. Generationen von Bauern müssen Daten gesammelt und diese auf die Scheibe übertragen haben.





