Hält man den Kalzit-Kristall in die Sonne, bricht er das Licht in zwei Strahlen. Daher stammt auch der häufig verwendete Name “Doppelspat”. Ist der durchsichtige Kristall direkt zur Sonne hin gerichtet, sind die beiden Strahlen gleich stark – weicht die Richtung dagegen ab, ist einer schwächer. Laut den Forschern um Guy Ropars von der Université de Rennes funktioniert diese Technik besser, als nach bisherigen Studien vermutet: Auch wenn die Sonne nicht mit bloßem Auge erkennbar ist, also wenn der Himmel Wolken verhangen ist oder die Sonne sich hinter dem Horizont verbirgt. Insgesamt ließen die Wissenschaftler 20 verschiedene Personen bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen die Position der Sonne bestimmen. Die Abweichung zu ihrer tatsächlichen Position betrug im Durchschnitt nur wenige Prozent.
Wie wichtig diese Methode auch noch zu Zeiten war, in denen Seefahrer bereits der magnetische Kompass zur Verfügung stand, zeige der Fund aus dem späten 16. Jahrhundert, kommentieren die Forscher. Denn allein die Kanonen des Schiffs konnten eine Kompassnadel erheblich ablenken, teilweise um bis zu 90 Grad. Demzufolge kamen offenbar weiterhin die Sonnensteine zum Einsatz, so die Forscher.
Einen direkten Beleg, dass sich bereits die Wikinger dieser Hilfsmittel bedienten, gibt es allerdings bislang nicht – abgesehen von der Überlieferung der Sage. Die Wissenschaftler hoffen nun auf entsprechende Funde in Wikingerwracks und Ausgrabungsstätten. Außerdem wollen sie die Genauigkeit der Kalzit-Kristalle auch in Gegenden von mehr als 60 Grad nördlicher Breite testen, wo die Sonne eher selten klar zu sehen ist.





