Er überragte die heutigen Elefanten und auch das Mammut deutlich: Mit einer Schulterhöhe von bis zu über vier Metern und einem Gewicht von maximal 13 Tonnen war der Eurasische Waldelefant das größte Landtier im Zeitalter des Pleistozäns. Mit ihren charakteristisch geraden, bis zu drei Meter langen Stoßzähnen waren sie damals in den Wäldern Europas und Westasiens unterwegs. Während der Zwischenwarmzeiten des Pleistozäns erstreckte sich ihr Verbreitungsgebiet dabei auch in Bereiche nördlich der Alpen – so auch in der Zeit vor etwa 125.000 Jahren.
Jagd auf die Giganten?
Wie aus zahlreichen Funden bekannt ist, lebten dort damals auch Neandertaler. Bisher blieb allerdings unklar, ob unsere archaischen Cousins Jagd auf die gigantischen Rüsseltiere machten. Denn bisherige Hinweise waren auch damit zu erklären, dass sie sich nur bei Gelegenheit über die Kadaver von Tieren hermachten, die eines natürlichen Todes gestorben waren. Die Grundlage der Studie der Forscher um Sabine Gaudzinski-Windheuser von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz bildeten nun frühere sowie neue Untersuchungsergebnisse von Funden in einer Braunkohlegrube bei Neumark-Nord in der Nähe von Halle. Dort wurden bereits in den 1980er und 1990er Jahren die Überreste von mindestens 70 Waldelefanten entdeckt. Den Datierungen zufolge stammen sie von Tieren, die dort vor rund 125.000 Jahren im Bereich eines einstigen Sees gelebt haben.
Bisherige Untersuchungen hatten bereits interessante Besonderheiten bei den Funden aufgedeckt. Es handelt sich demnach um eine Ansammlung von Individuen mit einer seltsamen Unausgewogenheit: Die Forscher identifizierten fast nur ausgewachsene männliche Tiere. Dieses Muster wurde bisher weder bei fossilen noch bei heutigen Elefantenpopulationen beobachtet. Anfang 2021 folgten dann spannende Befunde an einigen Knochen: „Die Entdeckung von eindeutigen Schnittspuren gab den Anstoß zu einer intensiven Untersuchung der Elefantenüberreste“, sagt Gaudzinski-Windheuser. Für die aktuelle Studie hat das Forschungsteam die 3122 Einzelstücke umfassende Knochensammlung akribisch analysiert. Sie suchten dabei nach Schnittspuren von Steinwerkzeugen sowie nach Bissmarken von Raubtieren.
Gruppen-Jagd auf Bullen
Wie das Team berichtet, stellten sie tatsächlich bei den meisten Individuen die Signaturen menschlicher Aktivität fest. Demnach dienten die Tiere über mindestens 2000 Jahre hinweg Neandertalern als Nahrungsquelle. Der Vergleich mit Bissspuren deutete dabei darauf hin, dass die Neandertaler vor Raubtieren am Werk gewesen sein müssen. Den deutlichsten Hinweis darauf, dass die Elefanten von den Frühmenschen getötet worden waren, sehen die Forscher allerdings in den demografischen Daten: In ihrer Studie erklären sie, warum die überdurchschnittliche Häufigkeit von erwachsenen Männchen unter den toten Tieren deutlich für eine Bejagung spricht.





