Der Archäologe Robert Ganslmeier vom Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle ist mit seinem Team in Eula bei Naumburg in Sachsen-Anhalt auf eine bisher unbekannte Bestattungsform aus der jungsteinzeitlichen Epoche der Schnurkeramiker gestoßen: einen „Grabgarten”. Es handelt sich um ein System aus mehreren Gräben, die bis zu 80 Zentimeter tief sind. Die rund 4400 Jahre alte Anlage, die Ganslmeier jetzt entdeckt hat, besteht aus einem rechteckigen Graben, der 25 Meter lang und 16 Meter breit ist. Darin ist eine kleinere Grube von 8 mal 6 Metern eingebettet. Hier wurden zwei unter 30-jährige Männer bestattet. In dem großen Graben ist ein einzelner Mensch unklaren Geschlechts und Alters beigesetzt.
Neben dem Grabgarten fanden die Archäologen zwei Familiengräber, die – auch dies für die Epoche unüblich – jeweils von einem Kreisgraben von 7 Meter Durchmesser umgeben waren. In dem einen Grab lag eine etwa 30-jährige Frau mit ihren drei Kindern. Dabei handelte es sich um ein neugeborenes und ein zwei Jahre altes Mädchen sowie einen Jungen im Alter zwischen sechs und acht Jahren. Dieser wurde offenbar bereits als Mann angesehen. Das schließt Ganslmeier aus den Grabbeigaben: einer Steinaxt, einem Knochenmeißel und zwei Feuersteinklingen.
„Es ist sehr ungewöhnlich”, meint der Archäologe, „dass vier Menschen in einem Steinzeitgrab liegen. Das ist aus Deutschland bisher nicht bekannt.” In dem anderen Grab war ein Ehepaar mit seinen zwei Kindern bestattet. Die Forscher vermuten, dass die Menschen an einer Krankheit gestorben sind. Alle Skelette in den Gräbern waren nach dem strengen Ritus der Schnurkeramiker ausgerichtet: in einer hockenden Position mit angezogenen Beinen auf der Seite liegend, die Männer mit dem Kopf nach Westen, die Frauen nach Osten. Die Blickrichtung wies immer nach Süden.
Die Schnurkeramiker lebten im Neolithikum etwa von 2800 bis 2200 v. Chr. und verdanken ihren Namen der Angewohnheit, ihre Gefäße mit dem Abdruck von Schnüren zu verzieren. Das jetzt entdeckte Gräberfeld befindet sich übrigens in prominenter Umgebung: nur 2 Kilometer weit vom steinzeitlichen Sonnenobservatorium in Goseck und 23 Kilometer vom Fundort der Himmelsscheibe von Nebra entfernt.





