Diese Theorie können die Forscher um Morwood nun entkräften: Bei Grabungen in der gleichen Höhle, in der auch das erste Homo-floresiensis-Exemplar (Spitzname: “Flo”) entdeckt wurde, fanden sie weitere Knochen, darunter den rechten Arm von Flo, weitere Arm- und Beinknochen, einen Unterkiefer und den Speichenknochen eines Kindes. Form und Größe der Fossilien stimmten mit dem Skelett von Flo überein, waren aber teilweise einige tausend Jahre jünger. “Das sind klare, unwiderlegbare Beweise, dass eine ganze Population kleinwüchsiger Zweibeiner mit kleinem Schädel jahrtausendelang auf Flores lebte”, sagt Teammitglied Peter Brown, der ebenfalls an der University of New England in Armidale arbeitet. “Die Kombination von primitiven und fortschrittlichen Merkmalen findet man weder bei normalen noch bei krankhaft veränderten Skeletten unserer eigenen Art, noch beim Homo erectus und auch bei keinem anderen ausgestorbenen menschlichen Verwandten.”
Die Proportionen der Knochen, so stellten die Forscher nun fest, gleichen denen des vor zwei Millionen Jahren in Ostafrika heimischen Australopithecus afarensis, auch bekannt als “Lucy”. Flo und Lucy besaßen beide unter anderem ausgesprochen lange Arme. Die Gesichtsform, die Zähne und auch die Form des Schädelinneren sind beim Homo floresiensis dagegen wesentlich fortschrittlicher, weswegen die Hobbits der Gattung Homo (Mensch) zugeordnet wurden.
Peter Brown nimmt inzwischen aber nicht mehr an, dass der bis 1,50 Meter große Homo erectus der Vorfahr der Zwerge von Flores war. “Ich vermute sehr stark, dass Homo floresiensis einen kleinen Vorfahren mit kleinem Kopf hatte und keine Zwergform war”, sagt der Forscher.





