Vinzenz Brinkmann: Es ist im Grunde eine Weltpremiere: Erstmals haben mit dem Team der Goethe-Universität Frankfurt Archäologen südlich der Sahara in großem Umfang wissenschaftlich gegraben und dort Skulpturen der Nok-Kultur entdeckt. Lange Zeit war das Feld ja Raubgräbern überlassen, die ihre Beute auf dem illegalen Kunstmarkt verkauften. Die Funde aus den vergangenen Grabungskampagnen in Nigeria kamen jetzt zur weiteren Erforschung und zur Restaurierung nach Deutschland. Nicht nur die Terrakotten selbst, sondern auch die Erde aus dem Fundkontext mit verbrannten Holzfragmenten und Speiseresten.
Gibt es zu diesen Untersuchungen schon Ergebnisse?
Ja. Wir können die Nok-Kultur jetzt genauer datieren: Sie reicht ungefähr von 1500 v.Chr. bis Christi Geburt. Das hat uns ziemlich überrascht, denn bisher war unklar, wie alt die Kultur eigentlich ist. Nun wissen wir, dass die Nok-Kultur existierte zeitgleich mit dem Neuen Reich und der Spätzeit in Ägypten, mit dem klassischen Griechenland und dem frühen Rom existierte – das ist eine Sensation! Die Nok-Skulpturen wurden bis auf eine Ausnahme alle im zerbrochenen Zustand gefunden.
Haben Sie eine Ahnung, warum?
Das Archäologen-Team um Peter Breunig vermutet, und dem schließe ich mich an, dass die Figuren zerstört und ihre Fragmente zuweilen in verschiedenen Gruben entsorgt wurden, um ihnen den göttlichen Charakter zu nehmen, sie zu entweihen und ihrer Wirkkraft zu berauben. Das legt die Fundlage nahe. Sehr viel mehr wissen wir leider noch nicht über die Religion, den Kult und die Funktion der Figuren der Nok-Kultur.
Was passiert mit den Funden? Wie und wo werden sie restauriert?
Die Objekte wurden liebevoll in Frankfurt restauriert, ein Teil auch im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz. Die Restauratoren haben die Skulpturen dabei auf Sockel montiert, was enorm schwierig war. Einerseits weil die Skulpturen aus so vielen Fragmenten bestehen, anderseits weil der Ton über die Jahrhunderte in der Erde brüchig geworden ist und erst gefestigt werden musste. Das war ein ziemlicher Balanceakt, aber wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
Sie haben intensiv über die Farbigkeit antiker Skulpturen geforscht. Wissen Sie denn, ob die Nok-Skulpturen auch bemalt waren?





