Kupfer stammt aus der Toskana
Jetzt haben Gilberto Artioli von der Universität Padua und seine Kollegen ein weiteres spannendes Detail zu einer der Utensilien der Gletschermumie herausgefunden: dem Kupferbeil. Die Waffe aus dem damals noch seltenen und begehrten Metall stammt aus der Zeit um 3346 bis 3011 vor Christus, wie eine Radiokarbondatierung des Griffs ergab. Damit ist dies das weltweit älteste komplett erhaltene Beil der Jungsteinzeit. Das Eis konservierte den Holzgriff, die Kupferklinge und sogar die Lederumwicklung und den Birkenteer, die die Klinge am Griff hielten. Erste Analysen hatten bereits enthüllt, dass die Kupferklinge nicht geschmiedet wurde, sondern in einer zweiteiligen Gussform gegossen worden sein muss. Doch woher das Kupfer stammte, blieb unklar. Erst jetzt haben die Forscher die Chance erhalten, eine winzige Probe vom Kupfer der Beilklinge zu entnehmen und das Metall unter dem Elektronenmikroskop, aber auch per Massenspektrometer zu analysieren.
Die Analysen ergaben Überaschendes. Denn bisher gingen Archäologen davon aus, dass das meiste im Alpenraum verarbeitete Kupfer entweder aus dem Alpenraum selbst stammt, oder aus Erzlagerstätten auf dem Balkan importiert wurde. Doch Ötzis Beilklinge widerspricht dem: “Die Untersuchungsergebnisse belegen eindeutig, dass die Quelle des Metalls das erzreiche Gebiet der Südtoskana ist – trotz reichlicher Belege dafür, dass die alpinen Kupfervorkommen zu dieser Zeit bekannt waren und genutzt wurden”, konstatieren Artioli und seine Kollegen. Das Kupfer von Ötzis Beil entspreche in seiner chemischen Zusammensetzung und auch in den Isotopen seiner Bleianteile fast genau denen der Kupfererze aus der Toskana. Gegen eine Herkunft des Metalls aus Tirol spricht zudem, dass der Klinge die typische Verunreinigung mit Antimon fehlt, die für Kupfererze dieser Region typisch sind, wie die Forscher erklären.
Überraschende Fernverbindungen
“Damit erscheint die Klinge des Eismannes in einem völlig neuen Licht”, konstatieren die Wissenschaftler. Denn die enge Verbindung zwischen Mittelitalien und dem Alpenraum ist auch für sie unerwartet und überraschend. “Dies liefert eine ganz neue Sicht des Austauschs von Gütern und der Beziehungen über weite Entfernungen hinweg in diesen frühen Kupferzeit-Kulturen”, sagen Artioli und seine Kollegen. Die neuen Ergebnisse sprechen für weitreichende Verbindungen zwischen den jungsteinzeitlichen Kulturen in Mittelitalien und denen nördlich des Apennins bis hin zum südlichen Alpenbogen – der Region, aus der Ötzi stammt. Wie die Forscher erklären, passt dies relativ gut zu jüngsten archäologischen Funden in der Toskana. Denn dort hatten Archäologen Überreste von Kupferschlacken und Kupferschmelzen entdeckt, die aus der Zeit um 3400 bis 3100 vor Christus stammen – und damit etwa aus der Zeit, in der der Eismann lebte.





