Wie beeinflusst Geld die Kooperation?
Camera und ihre Kollegen haben nun mit Hilfe eines Spielexperiments zwei Fragen untersucht: Zum einen, ob Menschen in größeren, anonymen Gruppen genauso viel kooperieren wie in kleinen überschaubaren. Und zum anderen, wie Geld oder ein ähnliches Wertsystem dieses soziale Verhalten beeinflusst. “Warum gerade Geld? Ganz einfach: Wenn es eine Lektion aus den aktuellen Finanzkrisen gibt, dann die, dass moderne Gesellschaften Geld benötigen, um zu funktionieren”, erklären die Wissenschaftler. Breche das auf Geld beruhende System zusammen, habe das verheerende Konsequenzen nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Gesellschaft. Es sei daher wichtig zu verstehen, wie Geld unser soziales Verhalten präge.
An dem Experiment der Forscher nahmen 448 Studentinnen und Studenten teil. In jedem der fünf Durchgänge bekam jeder Teilnehmer die gleiche Menge Punkte zugeteilt, das am Spielende in echtes Geld umgetauscht werden konnte. Jeder Proband spielte mit einem ihm unbekannten, nur über Computer erreichbaren Partner. Er sollte entscheiden, ob er seinem Gegenüber hilft oder nicht. Für das Helfen büßte er Punkte ein, der Empfänger bekam dagegen zusätzlich zur Spende seines Partners noch einen Zuschuss vom Spielleiter. Um nun herauszufinden, welchen Einfluss die Gruppengröße auf die Hilfsbereitschaft hat, fassten die Forscher die Probanden zunächst zu kleinen Gruppen von zwei bis acht Teilnehmern, dann zu Gruppen von 32 zusammen. Am Ende jedes Durchgangs erfuhren alle Teilnehmer, wie viele in ihrer Gruppe kooperiert und wie viele sich geweigert hatten. Die Auswertung ergab: Je größer die Gruppe, desto unkooperativer wurden die Probanden. Entschieden sich anfangs noch gut 70 Prozent zum Helfen, waren es in der großen Gruppe nur noch 28 Prozent.
Handel statt selbstloser Hilfe
Dann aber brachten die Forscher eine Art Geldsystem in Form einer Marke ins Spiel. Diese war für sich genommen völlig wertlos und konnte auch nicht in Geld umgetauscht werden. Aber: Die Probanden konnten sich gegen Übergabe eines solchen “Tokens” die Hilfe ihres Gegenübers erkaufen. Dieser konnte wiederum entscheiden, ob er freiwillig half, oder ob er stattdessen handelte und ein Token als Gegenleistung einforderte. “Das bewirkte dramatische Unterschiede im Verhalten”, berichten die Forscher: War Geld im Spiel, wurde kaum noch uneigennützig geholfen. Sowohl in den kleinen wie in den großen Gruppen forderte nun die Hälfte der potenziellen Helfer ein Token, fast der gesamte Rest weigerte sich, mit seinem Gegenüber zu kooperieren. Nach Ansicht der Forscher zeigt dies zweierlei: Geld – oder in diesem Fall das Tokensystem – sorgt dafür, dass auch in großen Gruppen weiterhin kooperiert wird. Denn in der großen Gruppe halfen immerhin drei Mal so viele Spieler wie ohne die Tokens – wenn auch für Gegenleistung.





