Weihrauch, Gold und viele andere Kostbarkeiten – aber auch lebende Tiere wie Giraffen und Paviane wurden von den Schiffen geladen, die an der ägyptischen Küste des Roten Meeres ankamen: Dies zeigen Abbildungen an den Wänden des berühmten Totentempels der Pharaonin Hatschepsut nahe der altägyptischen Hauptstadt Theben. Neben diesen eindrucksvollen Darstellungen belegen auch ältere sowie jüngere Hinweise, dass Punt über mindestens 1100 Jahre hinweg einen wichtigen Handelspartner der alten Ägypter darstellte. Klar ist dabei auch: Punt wurde über den Seeweg erreicht. Wo genau das geheimnisvolle Land lag, fragen sich Ägyptologen allerdings schon seit mehr als 150 Jahren. Offenbar befand es sich irgendwo in der südlichen Region des Roten Meeres in Afrika oder Arabien – doch handfeste Anhaltspunkte fehlten bisher weitgehend.
Göttliche Exoten analysiert
Die Forscher um Nathaniel Dominy vom Dartmouth College in Hanover präsentieren nun in Ägypten gefundenen Paviane als mögliche Zeugen der Lage Punts. Wie sie erklären, wurden die Affen im Reich am Nil schon früh als Symboltiere des Gottes Thoth verehrt und zu rituellen Zwecken auch mumifiziert. Das Besondere ist dabei: Ägypten gehörte nie zum natürlichen Verbreitungsgebiet der Paviane – die Ägypter vergötterten also Exoten. Die Abbildungen aus dem Hatschepsut-Tempel zeigen, dass auch Paviane aus dem Land eingeführt wurden, das die Ägypter als Punt bezeichneten. Deshalb sind die Wissenschaftler nun durch Isotopenanalysen der Frage nachgegangen, aus welcher Region die in Ägypten mumifizierten Tiere gekommen sein könnten.

Sie konzentrierten sich dabei auf die Analyse von zwei Funden aus der Zeit des Neuen Reiches (1550 bis 1069 v. Chr.), in der auch die Pharaonin Hatschepsut gelebt hat sowie auf fünf Exemplare aus der ptolemäischen Zeit (305 bis 30 v. Chr.). Um Vergleichsmaterial zu erhalten, untersuchten die Forscher zudem Gewebe von 155 Pavianen aus 77 Orten in ganz Ostafrika und Südarabien, die sich im möglichen Lagerbereich des einstigen Punt befinden. Als Marker der geografischen Herkunft der Paviane dienten den Wissenschaftlern vor allem die Muster der Strontium-Isotopenzusammensetzungen in den Proben. Dieses Element wird aus regionalem Gestein freigesetzt und gelangt dadurch ins Wasser. Wenn es Tiere trinken oder über die Nahrung aufnehmen, erhalten dadurch auch ihre Zähne, Haare und Knochen die geografische Signatur ihres Lebensraums. Über Vergleiche lassen die Isotopenanlysen somit Rückschlüsse darauf zu, wo ein Tier gelebt hat.





