Der Baukunst-Detektiv
Sein großes Vorbild ist Sherlock Holmes. „Ich untersuche allerdings keine Verbrechen, sondern nur Spuren im Mauerwerk”, erklärt Volker Hoffmann. Denn der 65-Jährige Sachse ist Professor für Architekturgeschichte und Denkmalpflege. In Hamburg hat Hoffmann Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie studiert.
Hoffmanns letzter Fall: die Hagia Sophia in Istanbul. Die Baupläne der unter Kaiser Justinian I. von 532 bis 537 erbauten Reichskirche sind verschollen – und mit ihnen das geometrische Konstruktionsprinzip der Anlage. Um das zu entschlüsseln, machten sich Hoffmann und seine Assistenten mit einem 3D-Laserscanner ans Werk. Zentimetergenau vermaßen sie das komplexe Bauwerk. Das überraschende Ergebnis: Die byzantinischen Architekten haben den gesamten Bau der Hagia Sophia aus einer Grundfigur abgeleitet – aus zwei ineinander verschachtelten Quadraten mit in- und umliegenden Kreisen.
Es ist nicht das einzige Rätsel, das Hoffmann als Spezialist für die Baukunst des frühen Christentums und der Renaissance gelöst hat. 1984 knackte er den Relief-Code auf der Renaissance-Fassade des Louvre in Paris. Das heutige Museum war früher das Schloss der französischen Könige. Hoffmann fand heraus: Auf der Fassade hatte König Heinrich II. im 16. Jahrhundert mit allegorischen Figuren wie Concordia, Pax und Felicitas seine Wahl zum Kaiser heraufbeschwören wollen – allerdings vergebens.
Im März dieses Jahres wurde Volker Hoffmann, der seit 1991 an der Universität Bern gelehrt hatte, emeritiert. Doch er macht weiter von sich reden: Vom 26. Mai bis 24. Juni ist in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen in Berlin die Ausstellung „ Der geometrische Entwurf der Hagia Sophia” zu sehen, die er initiiert hat.





