Die Covid-19-Pandemie hat die Menschheit schwer getroffen – doch klar ist: Andere Infektionskrankheiten haben in der Geschichte noch deutlich schlimmer gewütet – allen voran die Pest. Besonders im 14. Jahrhundert ging der Schwarze Tod gnadenlos um und raffte vermutlich fast die Hälfte der europäischen Bevölkerung dahin. Mittlerweile gilt als gesichert, dass das Bakterium Yersinia pestis die verschiedenen Seuchenzüge verursacht hat. Ähnlich wie aktuell im Fall der Coronaviren stellen sich Forscher auch bei der Pest die Frage, wie sich der verantwortliche Erreger zu einer Plage der Menschheit entwickeln konnte. Aus Funden in menschlichen Überresten aus der Bronzezeit ging bereits hervor, dass die Entwicklungsgeschichte von Yersinia pestis recht weit zurückreicht. Doch die Forscher um Krause-Kyora von der Universität Kiel sind dem Ursprung des berühmt-berüchtigten Bakteriums nun noch deutlich näher gekommen.
Überraschungsfund in alter DNA
Entdeckt haben sie den frühen Stamm des Erregers in den Überresten eines 20- bis 30-jährigen Mannes, der vor rund 5000 Jahren im heutigen Lettland gelebt hat. Er war neben drei weiteren Menschen bestattet worden, die wahrscheinlich zu seiner Gruppe von Jägern und Sammlern gehörten. Eigentlich waren Krause-Kyora und seine Kollegen zunächst vor allem am Erbgut dieser Personen interessiert. Deshalb entlockten sie Proben von Zähnen und Knochen aller vier Toten Überreste von DNA, um die Genome zu sequenzieren. Zusätzlich suchten sie aber auch nach genetischen Spuren von potenziellen Krankheitserregern in den Proben. So stießen sie schließlich zu ihrer Überraschung bei dem Individuum mit der Bezeichnung RV 2039 auf genetisches Material von Yersinia pestis.
Es gelang den Forschern anschließend auch, das Genom des Bakteriums zu rekonstruieren, was Analysen und Vergleiche mit anderen bekannten Stämmen des Erregers ermöglichte. So konnten sie zeigen, dass es sich bei dem Bakterium aus den Überresten von RV 2039 um den urtümlichsten aller jemals entdeckten Stämme von Yersinia pestis handelt. Er gehörte den Merkmalen zufolge zu einer Linie, die vor etwa 7000 Jahren entstanden ist – vermutlich nur wenige hundert Jahre nachdem sich der Erreger von seinem Vorgänger Yersinia pseudotuberculosis abgespalten hat. “Wir können das Auftreten von Yersinia pestis durch diesen Befund nun deutlich weiter zurückverfolgen als bisher”, sagt Krause-Kyora. “Es scheint, dass wir dem Ursprung des Bakteriums damit sehr nahe kommen.”
Noch kein Killer-Potenzial
Wie aus den genetischen Analysen hervorgeht, besaß der frühe Stamm zwar bereits den genetischen Satz, der ihn als einen Vertreter von Yersinia pestis ausweist – allerdings fehlten ihm noch entscheidende Erbanlagen, die mit der Virulenz späterer Versionen verbunden sind. Vor allem besaß er nicht die genetischen Merkmale, die dem Bakterium ein Überleben in Flöhen ermöglichten, berichten die Wissenschaftler. Bei diesen Blutsaugern handelte es sich um die berüchtigten Helferlein des Schwarzen Todes: Sie sorgten im Fall der mittelalterlichen Beulenpest für die Übertragung der Erkrankung von Ratten auf Menschen. Bis Yersinia pestis alle für die Übertragung durch Flöhe erforderlichen Mutationen erworben hatte, dauerte es von RV 2039 an wahrscheinlich noch mehr als tausend Jahre, sagen die Forscher.





