Bei dieser Form von Arthritis ruft das eigene Immunsystem des Betroffenen chronische Entzündungen der Sehnenansätze, besonders an Becken und Wirbelsäule hervor. Langfristig führt dies zu einer Verknöcherung und Versteifung der vielen kleinen Gelenke und Bänder der Wirbelsäule und des Beckens. In der Wirbelsäule kommt es durch diesen Prozess zur Bildung von Knochenspangen, die benachbarte Wirbel überbrücken. Dies führt zur Bildung der sogenannten Bambuswirbelsäule. Heutzutage sind etwa ein Prozent der Menschen von dieser Erkrankung betroffen. Sie tritt meist zum ersten Mal zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf.
Mumien im CT-Scan
Die Forscher um Sahar Saleem von der Universität Kairo haben nun erneut einen detaillierten Blick auf den Rücken von 13 königlichen Mumien der 18. und frühen 20. Dynastie geworfen (1492-1153 v. Chr.). Sie unterzogen sie einer Untersuchung mittels Computertomographie (CT). Mit dieser Methode sind wesentlich detailliertere Einblicke in die Knochenstrukturen möglich als durch die bisherigen Röntgenaufnahmen. Nach ihren Auswertungen kamen sie zu dem Fazit: Morbus Bechterew ist auszuschließen, da charakteristische Merkmale dieser Erkrankung fehlen. Die Forscher fanden beispielsweise keine Symptome im Beckenbereich und keine Anzeichen einer Entzündung des Kreuzbein-Darmbeingelenks, was zu den ersten Erscheinungen bei Bechterew gehört.
Saleem und ihren Kollegen zufolge offenbarten die CT-Scans bei vier Pharaonen hingegen die typischen Merkmale von Morbus Forestier. Diese Erkrankung führt ebenfalls zu knöchernen Anbauten an den Wirbelkörpern, aber im oberen Rückenbereich und nicht im Beckenbereich wie bei Morbus Bechterew. Auch die Ursache ist eine andere: Bei Morbus Forestier handelt sich nicht um eine entzündliche Form von Arthritis, sondern um eine Störung, die mit dem Alter einhergeht. Sie tritt in der Regel erst bei Patienten über 60 Jahren auf.
Von Morbus Forestier betroffen waren den Untersuchungen zufolge die Pharaonen Ramses II, sein Sohn Merenptah, Ramses III. und Amenophis III. Das Ergebnis scheint zu deren Lebensdaten zu passen: Sie alle erreichten ein für damalige Zeiten hohes Alter. “Die Mumien des alten Ägypten sind wichtige Informationellen für die Medizin”, sagt Saleem. Durch die Untersuchung der antiken Überreste können wir die Geschichte von Krankheiten wie Morbus Bechterew oder Forestier aufdecken”. Im aktuellen Fall wurde eine Fehldiagnose berichtigt.
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