Im Jahr 79 n. Chr. brach in Süditalien das als Somma-Vesuv bekannte aktive Vulkansystem aus und begrub unter anderem die kleine römische Stadt Pompeji und alle darin lebenden Menschen. Der Ausbruch von Pompeji bedeckte alles mit einer Gesteins- und Ascheschicht, die viele der Leichen konservierte. Lange Zeit wurden die Stadt und das Schicksal ihrer Bewohner vergessen, bevor Pompeji in den 1700er Jahren südlich von Neapel wiederentdeckt wurde. Die erhaltenen Häuser, Alltagsobjekte und Toten liefern heute wertvolle und einzigartige Hinweise darauf, wie das gesellschaftliche Leben in der Stadt und im Römischen Reich einst aussah.
Wichtige Anhaltspunkte dafür lieferten bislang vor allem die ausgegrabenen Gebäude und kulturellen Gegenstände sowie Aussehen und Position der Toten: Obwohl das Weichgewebe verfiel, blieben die Umrisse der Leichen erhalten; die so entstandenen Hohlräume in der Asche wurden Jahrhunderte später von Forschenden mit Gips gefüllt, um Abdrücke zu erzeugen. Dabei nahmen sie jedoch auch künstlerische Veränderungen vor, so dass die Funde mit Vorbehalt zu betrachten sind.
Wie sahen die familiären Beziehungen der Pompejianer aus?
Wer die Opfer waren und wie sie zusammenlebten, hat nun ein Team um Elena Pilli von der Universität Florenz genauer untersucht. Dafür nahmen die Biologen Proben von 14 mit Gipsabdrücken vermischten Skelett-Überresten, die einzeln, paarweise oder in kleinen Gruppen gefunden wurden. In einem Raum schienen beispielsweise eine Mutter mit goldenem Armband und kleinem Kind auf dem Schoß sowie ein Mann mit älterem Kind beieinander zu liegen. Dieses Ensemble interpretierten Forscher bislang als eine Familie. Ob das stimmt, haben nun Pilli und ihre Kollegen anhand von DNA-Analysen der Überreste dieser und weiterer Toten aus Pompeji überprüft. Sie analysierten das Geschlecht und die Verwandtschaftsbeziehungen dieser Menschen. Mithilfe von Strontium-Isotopen datierten sie zudem das Alter der Personen.

Die Ergebnisse widerlegen nun in mehreren Fällen die lang gehegten Annahmen über die familiären Beziehungen der Bewohner Pompejis. So handelte es sich bei der vermeintlichen Mutter mit Kind der DNA-Analyse zufolge um einen Mann mit einem nicht mit ihm verwandten Kind. Auch mit den zwei im selben Raum gefunden Menschen, einem Mann und Jungen, waren die beiden nicht verwandt. Diese vier Personen waren demnach doch keine biologische Familie, wie lange gedacht. „In ähnlicher Weise stellten wir genetisch fest, dass ein weiteres, sich scheinbar umarmendes Paar, von denen man annahm, dass es sich um Schwestern oder Mutter und Tochter handelte, mindestens einen Mann umfasste“, berichtet Co-Autor David Reich von der Harvard University.





