Nach seiner Auffassung existierten in alten Zeiten zwei, wenn nicht gar mehrere Ausgaben vieler biblischer Texte nebeneinander und wurden alle als Heilige Schrift verstanden. Somit war das Alte Testament ganz anders als wir es uns bislang vorgestellt hatten. Mehrere Ausgaben gibt es, laut Ulrich, mit Sicherheit für die Bücher Genesis, Exodus, Joshua, Jeremia, Ezekiel, Daniel, das Buch Eins und Zwei der Könige, das Buch Eins und Zwei Samuels, das Buch der Psalme und die Lieder des Salomon. Diese Theorie formuliert Ullrich in seinem Buch “The Dead Sea Scrolls and the Bible”.
Ein Beispiel für ein Problem, das Ulrich und andere beschäftigt: In zwei Schriftrollen folgt auf Psalm 31 direkt Psalm 33. Sollten die Schreiber dieser Texte davon ausgegangen sein, dass Psalm 32 nicht dem Wort Gottes entsprachen? Doch auch das Gegenteil ist der Fall. So enthalten Texte Passagen, die in späteren Bibeltexten nicht erwähnt werden. Es stellt sich die Frage, ob diese Schriftstücke verlorengegangen sind oder ob die Schreiber der Qumran Rollen etwa religiöse Dichtung gesammelt und diese dann mit biblischen Psalmen vermischt haben? Gehen unsere heutigen Bibeltexte also tatsächlich auf verschiedene Ausgaben zurück und wenn ja, welche ist die richtige?
Auch wenn Ulrich diese Fragen nicht endgültig beantworten kann, so ist er sich sicher, dass für eine ernsthafte Studie des Alten Testaments verschiedene Möglichkeiten und Texte in Betracht gezogen werden müssen und zukünftige Übersetzungen des Buches der Bücher sich nicht ausschließlich an dem masoretischen Text aus dem Jahre 70 nach Christus orientieren sollten. (Associated Press)





