Eine Nachricht der britischen University of Leeds elektrisiert zurzeit Archäologen in aller Welt. Es geht um eines der letzten Geheimnisse der über 4500 Jahre alten Cheops-Pyramide im ägyptischen Gizeh: Was verbirgt sich in den beiden Schächten der Königinnenkammer, und wozu dienten sie? Die im Durchmesser etwa 20 mal 20 Zentimeter großen Gänge haben im Gegensatz zu denen in der Königskammer keine Öffnungen an den Außenwänden des knapp 139 Meter hohen Monuments. Viele Forscher vermuteten deshalb, dass die Schächte zu bisher unbekannten Räumen der Pyramide führen. Jetzt hat ein Mini-Roboter eine heiße Spur gefunden.
Schon 1993 versuchten Wissenschaftler den südlichen Schacht zu erkunden. Dem Miniroboter Upuaut-2 gelang es damals, rund 65 Meter weit vorzudringen. Doch dann stieß er auf eine Art Verschlussstein, was die Spekulationen über eine verborgene Kammer zusätzlich nährte. 2002 durchbohrte ein anderes Roboterfahrzeug, das mit einer Kamerasonde ausgestattet war, diese Steinplatte. Doch außer einem Hohlraum, der auf der anderen Seite mit einem weiterem Stein versiegelt war, fand es nichts – sehr zu Enttäuschung vieler Fernsehzuschauer, denn das Spektakel wurde weltweit live übertragen.
Das Rätsel ließ Zahi Hawass, inzwischen ägyptischer Minister für Altertumsgüter, keine Ruhe. Der rührige, wegen seiner selbstherrlichen Auftritte aber umstrittene Ägyptologe, stellte ein internationales Forscherteam zusammen, dem auch Rob Richardson von der University of Leeds angehört. Richardson entwickelte „Djedi” – einen kleinen Roboter, der mit einem Bohrer und einer schwenkbaren Kamerasonde ausgestattet ist. Mit Spannung wurde der Einsatz Djedis erwartet – und diesmal lohnte sich der Aufwand. Die Bilder, die der Roboter aus dem Hohlraum funkte, zeigten Spektakuläres: rote Hieroglyphen und Linien auf dem Boden.
Was bedeuten diese geheimnisvollen Zeichen? Möglicherweise sind es Notizen der damaligen Steinmetze, mutmaßen die Wissenschaftler. Dies wiederum könnte einigen Aufschluss über den Zweck der Schächte und über eine eventuell verborgene Kammer geben. Endgültige Klarheit erhofft sich Hawass durch die Entzifferung der Hieroglyphen. Doch das ist nicht so einfach. Mit Ergebnissen wird nicht vor 2012 gerechnet.
Redaktion: Hans Groth, nachrichten@bild-der-wissenschaft.de





