In der Kreidezeit waren die Flugsaurier nicht mehr die alleinigen Herrscher des Himmels: Es flogen auch schon zahlreiche Vertreter der Vögel durch die Luft, die sich aus zweibeinigen Dinosauriern entwickelt hatten. Die dominierende Gruppe bildeten damals allerdings noch die sogenannten Enantiornithes. Sie verfügten bereits über hochentwickelte Flugfähigkeiten, besaßen aber noch urtümliche Flügelmerkmale sowie mit Zähnchen besetzte Schnäbel. Wie Fossilienfunde aus der ganzen Welt belegen, waren die Enantiornithes in der Kreidezeit weit verbreitet und hatten eine beachtliche Artenvielfalt hervorgebracht. Im Gegensatz zu den Vorfahren unserer heutigen Vögel wurden sie aber allesamt durch den Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren ausgelöscht.
Was drei Knochen verraten
Nun fügen die Forschenden um Alex Clark vom Field Museum in Chicago den Vertretern der Enantiornithes zwei neue Vertreter aus der späten Kreidezeit hinzu. Die Ergebnisse basieren dabei auf der Untersuchung von drei fossilen Fußknochen, die in der Hell-Creek-Formation im Nordwesten der USA entdeckt wurden. Sie stammen aus rund 68 Millionen Jahre alten Ablagerungen, in denen auch Fossilien von Tyrannosaurus rex und weiteren prominenten Vertretern der spätkreidezeitlichen Tierwelt gefunden wurden. Wie das Team berichtet, waren trotz der bescheiden wirkenden Überreste einige interessante Rückschlüsse auf die Merkmale der Tiere möglich, zu denen sie einst gehörten.
Es handelt sich bei den Funden um sogenannte Tarsometatarsus-Knochen, die auch von den Fußstrukturen heutiger Vögel bekannt sind: An diesen Elementen mit Verbindung zum Beinknochen setzten die Zehen an. Aus den Merkmalen der gefundenen Tarsometatarsus-Knochen ging hervor, dass sie von Vertretern der Enantiornithinen stammen. Anhand der speziellen Eigenschaften der drei Funde konnten Clark und seine Kollegen sie zwei neuen Arten zuordnen: Avisaurus darwini und Magnusavis ekalakaenis. Der dritte Knochen könnte ebenfalls von einer neuen Art stammen, dies lässt sich aber aufgrund des schlechten Zustands des Fossils nicht eindeutig feststellen.
Wie Clark und seine Kollegen berichten, ist zunächst die Größe der beiden neuen Enantiornithinen bemerkenswert. Denn die meisten Arten – die vor allem aus früheren Phasen der Kreidezeit bekannt sind – waren vergleichsweise klein. Doch die Ausmaße der Tarsometatarsus-Knochen der beiden spätkreidezeitlichen Vertreter legen nahe, dass sie so groß wie heutige Falken waren. Mit diesen Vögeln verband sie außerdem das Merkmal, das die Forschenden besonders in den Fokus der Studie rücken. Die Schlussfolgerungen basieren dabei auf dem Nachweis von Spuren der einstigen Muskelansatzstellen an den Tarsometatarsus-Knochen.





