Wenn der Begriff „Sensation” für eine archäologische Entdeckung angebracht ist, dann für die Ausgrabung von Klaus Schmidt in der Bergödnis Südostanatoliens, über die er in seinem Buch fast zu bescheiden berichtet.
Der Prähistoriker des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Berlin hat nicht weniger gefunden als erste Monumentalarchitektur, Kunst und das älteste erhaltene Nachrichtensystem der Welt. Und das in einer Zeit, in der die Wissenschaft den Menschen eher dumpf von der Hand in den Mund leben sah, nämlich vor 12 000 Jahren. Die Funde in Anatolien belegen, dass die Jäger und Sammler der ausgehenden Altsteinzeit durchaus geistig rege waren, Jenseitiges dachten, ihre Toten ehrten, bleibende Nachrichten verfassten und gewaltige Gemeinschaftsaufgaben anpackten – was wiederum eine Gliederung und Spezialisierung der Gruppe voraussetzt. Schließlich leiteten sie auch die so genannte Neolithische Revolution ein – also die Sesshaftwerdung mit Domestizierung von Tieren und gezieltem Pflanzenanbau.
Das alles widerspricht bisheriger Lehrmeinung. Dabei spekuliert Klaus Schmidt nicht, sondern belegt seine Folgerungen sauber anhand seiner Grabung. Sicher führt er selbst durch komplizierte wissenschaftliche Zusammenhänge, so dass das Lesen nicht nur bildet, sondern auch noch Spaß macht. Michael Zick
Klaus Schmidt SIE BAUTEN DIE ERSTEN TEMPEL Das rätselhafte Heiligtum der Steinzeitjäger C.H. Beck München 2006 282 S., € 24,90 ISBN 3-406-53500-3





