Hier stimmt die Chemie: Stephan Berry rührt in einer Petrischale Nachschlagewerk und Wissenschaftslektüre zu einem vergnüglichen Lesestück zusammen. Es geht um die Erkenntnisse der modernen Archäologie. Ohne das Wissen der Chemie, Biologie und Physik grübelten Archäologen früher oft ratlos über ihren Fundobjekten. Stephan Berry erklärt anhand von Fallbeispielen die neuen Methoden wie Röntgenfluoreszenzanalyse, Gaschromatografie, Georadar und Geoelektrik knapp, aber verständlich. Trockene Naturwissenschaft? Mitnichten. Der Leser erfährt, wie Bakterien dafür sorgen können, dass Holz magnetisch wird, und warum Eisen bisweilen weicher ist als Bronze.
Das Buch ist weit mehr als ein Lexikon. Es bietet auch manche vergnügliche Anekdote: zum Beispiel, welche Rebsorte die römische Kaiserin Livia mit 86 Jahren bevorzugte.
Und der Chemiker Stephan Berry verschweigt auch nicht, dass manche Ergebnisse aus dem Labor enttäuschend sind. So erfüllten sich die hohen Erwartungen nicht, die Historiker an die Analyse römischer Tabletten hatten. Man hatte die mutmaßliche Medizin, gefunden in einem wasserdichten Zinnbehälter in einem römischen Schiffswrack, im Labor auf ihre Bestandteile untersucht. Resultat: Statt einer Sensation fanden die Chemiker Reste von Möhren, Sellerie, Hibiskus und Schafgarbe. Die Suche nach dem Rezept für die Götterspeise Ambrosia geht weiter. Dirk Husemann
Stephan Berry ANTIKE IM LABOR Philipp von Zabern Darmstadt/Mainz 2012 160 S., € 29,99 ISBN 978–3–8053–4450–0





