Abessinien – die heutigen Länder Äthiopien und Eritrea – war schon immer das Land zwischen den Welten. Die antiken Handelsbeziehungen ins Mittelmeergebiet sind gut belegt, die Verknüpfungen zur arabischen Halbinsel werden immer deutlicher.
Kontakte in den Vorderen Orient sind wahrscheinlich, zumindest berichtet der äthiopische Gründungsmythos „Kebra Nagast” vom Besuch der Königin von Saba – die hier eine abessinische Königin ist – beim judäischen König Salomon, mit dem sie einen Sohn zeugte. Der entführte später, während eines Besuchs bei seinem Vater, die jüdische Bundeslade nach Äthiopien, wo sie angeblich in der Kathedrale Marjam Tsion in Axum unter strengstem Verschluss gehalten wird (was Israel nicht kommentiert).
Das Judentum hatte im abessinischen Hochland als erste monotheistische Religion eine starke Stellung. Mit dem aufkommenden Christentum kam es zu erbitterten Kämpfen um die religiöse und weltliche Vorherrschaft. Der Prophet Mohammed schickte einen Teil seiner Anhänger während der Ver-folgung in Arabien ins äthiopische Asyl. Die christlichen Herrscher gewannen schließlich die Oberhand und errichteten in Axum ein mächtiges Reich. Das Judentum wurde zurückgedrängt, der Islam konnte sich nur in den Südostprovinzen bis heute halten.
Das Reich von Axum war der erste Staat, in dem das Christentum Staatsreligion wurde – noch vor dem weströmischen Reich Konstantins.





