Die Einsichten von Physikern, Chemikern und anderen haben im Laufe der Geschichte zu zahlreichen Fortschritten der Wissenschaft geführt. Im Alltag lässt sich das durch die jederzeit überprüfbare Tatsache feststellen, dass den Menschen auf diese Weise mehr Macht über die weltlichen Dinge zukommt und sie die dazugehörigen Fähigkeiten nutzen können, um ihr Leben einfacher und angenehmer zu gestalten.
Revolutionen brauchte es zu diesem Zweck nicht, was aber nicht verhindert hat, dass der ursprünglich soziale und politische Begriff in die Wissenschaft eingezogen ist und inflationär gebraucht wird. In jüngster Zeit ist erst das Aufkommen der Molekularbiologie und dann deren Ablösung als Revolution gefeiert worden, was beides unsinnig ist. Als im beginnenden 21. Jahrhundert das Aufkommen einer Systembiologie als Revolution der Medizin ausgerufen wurde, erklärten deren Anführer oder Vordenker auf Nachfrage, damit sei gemeint, dass man nun wisse, wie man die digital zu verstehende Natur berechnen und Krankheiten ganzheitlich in den Griff bekommen kann. Allerdings hätten Historiker den forschen Revoluzzern erklären können, dass so etwas schon bei Galilei, Goethe und Leibniz zu lesen war. An dieser Stelle kann man es daher nicht vermeiden, Johann Nestroy zu zitieren, der einmal meinte, der Fortschritt habe es an sich, größer auszuschauen als er ist.
Es ist unsinnig, die Entwicklung der Wissenschaft anhand revolutionärer Durchbrüche zu messen. Zumal die Leute, die mit ihren Millionen jährlich den einen oder anderen „Breakthrough Prize“ verleihen, offenbar nicht wissen, dass Durchbrüche in der Medizin die Perforation von Gewebe meinen oder auch Militärisches an sich haben. Aber die Wissenschaft macht weder krank, noch befindet sie sich in einem Krieg, auch wenn ihre Gegner das glauben und gerne verkünden.
Der Philosoph Nietzsche meinte einmal, wenn „wir durch die Wissenschaft den Menschen ihren Stolz wiedergeben wollen, so muss die Wissenschaft gefährlicher werden.“ Ich glaube, dass das stimmt, bezweifle aber, dass ein Ethikrat dem zustimmen würde. Seine Mitglieder wissen einfach nicht genug über die Geschichte der Wissenschaft, die sie zu bewerten haben. So fallen wir alle zusammen in dieses Schwarze Loch.





