Es ist ungewiss, ob der Schuh von einem Mann oder einer Frau getragen wurde. Er ist 24,5 Zentimeter lang und 7,5 bis zehn Zentimeter breit. Obwohl mit einer Größe von 37 eher klein, könnte er dennoch einem Mann der Kupfersteinzeit (Chalkolithikum) gehört haben. Das aus Kuhhaut gefertigte Schuhwerk besitzt keine Sohle und war zudem mit Gras ausgelegt. Für dessen Funktion gibt es nach Ansicht der Archäologen zwei Erklärungen: Entweder wurden die Gräser einfach als Einlage benutzt, um den Fuß warmzuhalten, oder sie dienten als eine Art früher Schuhspanner der Formerhaltung des Schuhwerks. Der Schuh bestand aus einem einzigen Stück Leder, das um den rechten Fuß gewickelt wurde. Die trockene und kühle Umgebung der Höhle hat ihn nahezu unbeschadet die Jahrtausende überdauern lassen.
Der Schuh weist eine frappierende Ähnlichkeit mit den sogenannten Pampooties auf, einer Art Mokassin, der bis in die Fünfzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts auf den Aran-Inseln vor der Westküste Irlands getragen wurde. Auch andere, über ganz Europa verteilte Schuhrelikte aus diversen Epochen erinnern an die Kuhhaut-Fußbekleidung aus Armenien. “Diese Art von Schuh wurde wahrscheinlich Tausende von Jahren lang getragen, und das in einem riesigen Gebiet”, folgert Pinhasi. Grundsätzlich sei das Tragen von Fußbekleidung wie Schuhen oder Sandalen in prähistorischer Zeit die Ausnahme gewesen. Überwiegend sei damit der Fuß gegen felsiges Terrain geschützt oder gewärmt worden.
Die Wissenschaftler sind über den Verwendungszweck der Höhle, in deren hinterem Teil auch Gräber von Kindern gefunden wurden, noch im Unklaren. “Es ist so wenig über dieses Zeitalter bekannt, dass wir nicht mit absoluter Gewissheit sagen können, warum sich all diese Dinge in der Höhle befunden haben”, erklärt Pinhasi. Die Forscher werden deshalb die Erforschung des Höhlensystems fortsetzen, in dem noch viele Kammern nicht freigelegt sind.





