Sie konnten zeigen: Überall nutzen Menschen kurze Sprachelemente mit nahezu identischem Klang und Funktion wie beim englischen „Huh?”. Dies sei ungewöhnlich, da Wörter in nicht verwandten Sprachen normalerweise deutlich anders klingen. Beispielsweise heißt Hund im Französischen „Chien”, im Japanischen „Inu” und im Englischen „Dog”. Man könnte nun meinen, eine Äußerung wie „Huh?” sei ja kein richtiges Wort. Doch den Analysen der Forscher zufolge ist es das offenbar doch: Obwohl ähnlich, unterscheiden sich die Frage-Ausdrücke in systematischer Weise zwischen den Sprachen. Es handelt sich demnach nicht um eine Art angeborenen Laut wie beim Lachen oder Weinen. Die Ausdrücke sind Wörter, deren jeweilige sprachliche Form gelernt werden muss.
Warum Huh?, Hä?, A?…
Doch warum haben sich in allen Sprachen so ähnliche Kurzelemente zur Nachfrage entwickelt? Den Forschern zufolge hat dies mit dem Kontext zu tun, in denen sie Menschen benutzen. In der Regel dienen sie als Notbehelf, wenn lange Formulierungen zur Nachfrage zu umständlich erscheinen. Deshalb handelt es sich um einfache, schnell zu produzierende Laute, die das Gespräch kaum unterbrechen, aber dennoch verdeutlichen, dass der jeweils aktive Sprecher das Gesagte wiederholen soll. Da diese Anforderungen in allen Sprachen gleich sind, entwickelten sich ähnliche Lösungen, so die Forscher.
Mark Dingemanse und seine Kollegen sehen sogar Parallelen zu Phänomenen aus der Evolutionsbiologie: Wenn sich unterschiedliche Lebensformen an die gleiche Lebensweise anpassen, entwickeln sie ähnliche Merkmale – man nennt dies konvergente Evolution. Beispielsweise haben Haie und Delfine einen ähnlichen Körperbau entwickelt, obwohl sie evolutionsbiologisch betrachtet weit von einander entfernt sind. Eine ähnliche Konvergenz sehen die Forscher auch bei der Entwicklung der kurzen Frage-Elemente in den verschiedenen Sprachen: Sie sind an den gleichen Kontext angepasst.





