Umstrittene Techtelmechtel
Doch die Kreuzungs-Theorie blieb nicht das einzig mögliche Erklärungsmodell für die genetischen Gemeinsamkeiten. Computermodelle von Anders Eriksson und Andrea Manica von der University of Cambridge hatten beispielsweise auf ein anderes Szenario hingedeutet. Demnach könnten die Frühmenschen, die sich in Europa und Asien zum Neandertaler entwickelten, ursprünglich aus einer Population im nördlichen Afrika stammen, von der Teile ausgewandert waren. Danach entwickelte sich dann aus den verbliebenen Resten der Population auf dem Schwarzen Kontinent der moderne Mensch, parallel zum Neandertaler in Europa. In diesem Fall müsste der im Entstehen begriffene Homo sapiens im Norden Afrikas dem Neandertaler genetisch ähnlicher gewesen sein als seine Artgenossen auf dem Rest des Kontinents. In diesem Szenario nahm Homo sapiens also sein gemeinsames Erbe mit dem Neandertaler mit, als er sich vom Norden Afrikas aus aufmachte, die Welt zu besiedeln.
Eher doch ein bisschen Neandertaler
Die aktuellen Erbgutanalysen von Sankararaman und Reich passen jedoch nicht zu dieser Modellvariante: ihren Untersuchungen zufolge gibt es genetische Hinweise im Erbgut des modernen Menschen, die darauf hindeuten, dass es sich bei der neandertalertypischen DNA um das Resultat einer Einkreuzung handelt. Die Eigenschaften der genetischen Spuren lassen sogar Rückschlüsse darauf zu, wann der Erbgut-Austausch stattgefunden hat. Die Forscher geben dafür ein Zeitfenster von vor 47.000 bis 65.000 Jahren an. Das passt perfekt zu dem Szenario, dass der moderne Mensch kurz nach dem Verlassen Afrikas auf seinen entfernten Vetter traf und mit ihm Nachkommen zeugte, aus denen dann die Pioniere der Menschheitsgeschichte hervorgingen.





