Oft würden Neunzigjährige schlicht aufgrund ihres hohen Alters für beeinträchtigt gehalten, vermuten die Neurologen. Doch bei vielen Menschen in diesem Alter sei das Gedächtnis noch äußerst scharf. Ein erheblicher Anteil der Untersuchten zeigte weder Anzeichen von Alzheimer noch von einer anderen Form der Demenz. Andere litten zwar unter Gedächtnisstörungen, jedoch ohne stark beeinträchtigt zu sein, so dass sie noch unabhängig leben konnten.
Allerdings können auch Neunzigjährige noch unter einer so genannten leichten kognitiven Beeinträchtigung (mild cognitive impairment, kurz MCI) leiden, stellten die Forscher außerdem fest. Die Symptome von MCI glichen dabei denen Jüngerer. Patienten mit MCI schneiden lediglich bei Gedächtnistests schlecht ab, während sie bei Hirntests insgesamt gute Ergebnisse erzielen. Oft schreitet dieser Zustand zu Alzheimer fort. In weiteren Untersuchungen wollen die Neurologen herausfinden, ob dies auch bei den Neunzigjährigen geschieht.
Neunzigjährige sind bislang nicht so ausführlich untersucht wie andere Altersgruppen. Die mit dem Alter im normalen Rahmen nachlassenden geistigen Leistungen sind daher bei Neunzig- bis Hundertjährigen kaum definiert. “Trotzdem konnten wir Unterschiede zwischen geistig normalen, leicht beeinträchtigten und dementen Versuchsteilnehmern erkennen”, sagt Boeve.





