Syphilis ist eine sexuell übertagbare Infektionskrankheit, die unbehandelt oft tödlich ist. Die Überlebenden behalten bleibende körperliche und geistige Schäden, beispielsweise Veränderungen an Knochen oder Zähnen. Die erste Syphilis-Epidemie, die dokumentiert und historisch belegt ist, begann im Jahr 1495 in Europa. Zu der Zeit war die Krankheit noch unbekannt. Da die Seuche kurz nach der Rückkehr Kolumbus aus Amerika auftrat, vermuteten Experten lange, sie könnte durch Kontakt mit Menschen der Neuen Welt eingeschleppt worden sein. Die Vermutung lag nahe, da damals in umgekehrter Richtung tatsächlich viele übertragbare Krankheiten von Europa nach Amerika eingeschleppt wurden.
Doch Knochenfunde aus dem europäischen Mittelalter weckten in den vergangenen Jahren Zweifel an dieser Theorie. Die Skelettreste stammen aus der Zeit vor 1492 und weisen Läsionen auf, die typisch für Syphilis-Kranke sind. Das legt nahe, dass die Syphilis in Europa schon vor Kolumbus Rückkehr auftrat und dass die Epidemie Ende des 15. Jahrhunderts unabhängig von der Kolonialisierung Amerikas ausbrach. Allerdings konnte weder der Ursprung in Amerika noch der in Europa bisher eindeutig bestätigt werden. „Allein anhand der Läsionen können wir die Krankheit und ihre Herkunft nicht eindeutig identifizieren“, sagt Co-Autorin Casey Kirkpatrick vom Max-Planck-Institut (MPI) für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Wo und wann die Krankheit zuerst ausbrach, ist daher weiterhin unklar.

Syphilis und ihre Verwandten stammen doch aus Amerika
Ein Team um Rodrigo Barquera vom MPI für evolutionäre Anthropologie hat diese Frage nun geklärt. Die Archäologen und Paläontologen untersuchten dafür in Nord- und Südamerika gefundene Knochen und Zähne mit Syphilis-ähnlichen Spuren aus der Zeit vor Kolumbus. Die seltenen Skelettreste stammen aus Mexiko, Chile, Peru und Argentinien, aus der Zeit um und vor 1492. Aus den Überresten isolierten die Forschenden die DNA der Krankheitserreger und verglichen das Erbgut mit heute kursierenden Erregern. Das Team rekonstruierte und identifizierte so fünf alte Genome von Erregern. „Obwohl die Untersuchung aufgrund des schlechten Erhaltungszustands einige analytische Herausforderungen mit sich brachte, konnten wir die Beziehungen zwischen diesen ausgestorbenen Formen und den Stämmen, die heute weltweit die Gesundheit beeinflussen, sicher bestimmen“, sagt Barqueras Kollege Lesley Sitter.





