Doppelbelastung für das Arbeitsgedächtnis
Zunächst sahen alle Probandinnen auf ihrem Bildschirm eine oder drei zweistellige Zahlen, die sie sich merken sollten. Direkt danach erschien auf dem Display ein Regal, bei dem einige Fächer eine Rückwand besaßen, andere nicht. In einigen Fächern lagen Gegenstände wie beispielsweise zwei Bälle oder eine Blumenvase. Die Teilnehmerinnen erhielten die Anweisung beispielsweise den großen Ball ein Fach nach oben zu legen – manchmal einfach so, manchmal aber auch von einer Figur, die von ihnen aus gesehen hinter dem Regal stand. Die Schwierigkeit dabei: Die Probandin musste sich in die Figur hineinversetzen, um zu beurteilen, welchen Ball diese überhaupt sehen konnte und dann diesen versetzen. “Bei einigen sozialen Interaktionen ist es notwendig, sich in die Perspektive eines anderen zu versetzen”, erklären Mills und ihre Kollegen. “Das jedoch erfordert kognitive Ressourcen und fordert das Arbeitsgedächtnis.” Nach Abschluss des Regaltests wurde abgefragt, welche Zahlen zu Anfang des Experiments zu sehen waren.
Die Auswertung ergab: Sowohl Jugendliche als auch Erwachsene benötigten für den Regaltest länger und machten mehr Fehler, wenn sie sich gleichzeitig mehrere Zahlen merken mussten. Die Leistungen gingen ebenfalls zurück, wenn sich die Teilnehmerinnen im Regaltest in die Perspektive eines anderen hineinversetzen mussten. “Das spricht dafür, dass Multitasking in sozialen Situationen zu Leistungsdefiziten führt”, meinen die Forscher. “Wenn Menschen beispielsweise parallel zu einem Gespräch noch andere Informationen aufnehmen, kann das den natürlichen Ablauf dieser sozialen Interaktion stören.”
Und noch etwas ergaben die Experimente: Jugendliche scheinen von dieser Doppelbelastung besonders schnell überfordert zu sein. Sie schnitten in den Multitasking-Tests durchgängig schlechter ab als die Erwachsenen. Nach Ansicht der Forscher könnte dies daran liegen, dass sowohl das Arbeitsgedächtnis als auch die Fähigkeit, eine andere Perspektive einzunehmen, erst im Laufe des Erwachsenwerdens effektiver werden. “Das bedeutet, dass Jugendliche sensibler auf zusätzliche kognitive Belastungen reagieren – sowohl beim sozialen als auch beim nichtsozialen Multitasking”, sagen Mills und ihre Kollegen. “Multitasking-Aufgaben, die für Erwachsene einfach sind, könnten daher Jugendliche schon überfordern.” Vor allem im Schulunterricht sollte dies daher berücksichtigt werden.





