Keine Trendwende gibt es auch im Straßenverkehr, der ein Großteil des “Klimakillers” Kohlendioxid (CO2) ausstößt. Die Zahl der Personenkilometer im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sei 1999 im Vergleich zum Vorjahr leicht um 1,2 Prozent auf 89 Milliarden Kilometer gestiegen, berichtet der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in Köln. Der Bahn-Fernverkehr nahm laut Deutscher Bahn um ein Prozent auf 34,9 Milliarden Personenkilometer zu. Zugleich allerdings wuchs auch die Zahl der PKW-Strecken – und zwar um 0,6 Prozent auf insgesamt 536 Milliarden Kilometer.
“Klimawandel und Klimakatastrophen scheinen für die meisten Bundesbürger immer noch weit weg zu passieren”, sagt der Sprecher des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Berlin, Rüdiger Rosenthal. Zwar sei vielen Menschen bewusst, dass der Klimawandel ein großes Problem werden könne. “Beim Ändern des Verhaltens hapert es aber noch.”
Die Fahrgastzahlen im ÖPNV stiegen 1999 nur um ein Prozent – für das Jahr 2000 erwartet der VDV eine ähnliche Zuwachsrate. Zugleich wuchs die Autoflotte in Deutschland zum 1. Januar 2000 um 1,7 Prozent oder 700.000 Autos auf einen Fahrzeugbestand von 42,4 Millionen Personenkraftwagen. Bis September 2000 wurden zudem 2,6 Millionen Wagen neu zugelassen.
Die PKW-Fahrer in Deutschland jagten 1999 nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) in Berlin rund 112 Millionen Tonnen des “Klimakillers” CO2 in die Luft – das waren mehr als zehn Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes in Deutschland. Tendenz weiter steigend. “Das Umweltbewusstsein der Bevölkerung ist eher zurückgegangen”, meint VDV-Sprecher Stephan Anemüller.
Fraglich erscheint zudem, ob diejenigen, die auf Bus und Bahn umsteigen, dies aus ökologischer Motivation heraus tun. Entscheidend sei wohl eher das “bessere Angebot des ÖPNV”, sagt Anemüller. Auch der Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn in München, Holger Jansen, sieht eher Preisvorteile als Ursache.
Höhere Preise dürften der Grund dafür sein, dass bislang so wenig Menschen auf umweltfreundliche Energien umgestiegen sind. Daran kann auch das von der Bundesregierung Anfang 1999 gestartete 100-000- Dächer-Solarstromprogramm bislang nichts ändern. Es gewährt kleinen und mittleren Unternehmen, aber auch privaten Verbrauchern zinsverbilligte Darlehen zur Einrichtung von Photovoltaikanlagen. Bis Ende September 2000 hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau den Bau von rund 9.500 dieser Anlagen gefördert.
Insgesamt liegt der Anteil erneuerbarer Energien an der deutschen Stromerzeugung nach Darstellung Leprichs derzeit bei rund sechs Prozent. Strom aus erneuerbaren Energien werde von den großen Stromversorgern ohne besonderen Hinweis direkt eingespeist, so dass der Kunde keine bewusste Entscheidung für Öko-Strom treffe, sagt Leprich. Anders sei dies bei “grünem Strom” – die Kunden beziehen ihren Strom von reinen Ökostrom-Anbietern und treffen eine “bewusste Entscheidung”.





